Man trifft sich in Paris
Am Anfang der Operngeschichte stand die Idee eines Schauspiels, in dem die Worte nicht gesprochen, sondern gesungen werden.
1 Die Formeln, mit denen die ersten Opernkomponisten das aus dem Sprechen abgeleitete Singen charakterisierten, heben die Vermittlung zwischen beiden Formen menschlicher Mitteilung hervor: Jacopo Peri etwa teilt mit, dass er in seiner «Euridice» (Florenz 1600) ein «Mittelding» («cosa mezzana») zwischen dem normalen Sprechen und dem melodischen Singen gesucht habe,2 und Emilio de’ Cavalieri spricht im Vorwort seiner «Rappresentazione di anima, et di corpo» (Rom 1600) vom «recitar cantando», dem «singenden Sprechen», das Grundlage seines Werks sei.3
Schon früh erkannte man die Gefahr, die eine durchgehend rezitativische Gestaltung in sich birgt: Der Hörer wird müde, er langweilt sich ob des gleichbleibenden Tonfalls, mag er auch noch so differenziert gestaltet sein. Peri und Giulio Caccini lockerten in ihren «Euridice»-Opern den Rezitativfluss bereits durch kleine Ensembles, Ritornelle und liedhafte Sätze auf, Monteverdi ging im «Orfeo» (Mantua 1607) sogar noch entschieden weiter und bot ein wahres Kontrastpanorama unterschiedlichster Formen, Besetzungstypen und ...
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