Man spielt nicht mit dem Glück

Nancy, Zemlinsky: König Kandaules

Opernwelt - Logo

Eine thematisch komplexe, auch komplizierte Geschichte ist es schon, die Alexander Zemlinsky im «König Kandaules» nach André Gides Drama «Le Roi Candaule» (1899) erzählt: Der König, vom Drang getrieben, sein Glück mitzuteilen, ja es mit anderen zu teilen, überlässt schließlich sogar seine geheimnisvoll-schöne Frau dem Freund für eine Liebesnacht. Bei Gide sagt er einmal: «Besitzen heißt für mich: experimentieren».

Doch das Experiment mündet direkt in die Katastrophe: Königin Nyssia, die getäuschte und entschleierte Frau, befiehlt dem Verführer Gyges, Kandaules, den eigenen Freund, zu töten. Danach reicht sie Gyges als neuem König die Hand. Gyges fordert sie auf, sich wieder zu verschleiern, doch sie weist zynisch darauf hin, dass Kandaules ihren Schleier zerrissen habe.
Unschwer lässt sich in der Handlung das Künstler­drama erkennen: Kandaules, der individuelle Künstler, steht im Spannungsfeld zwischen egozentrischem Schöpfertum und der Öffnung seiner Kunst nach außen hin, zur Gesellschaft, zur oft schnöden Welt. Sein Kunstwerk heißt «Schönheit», personifiziert in der Königin Nyssia. Der Künstler will sein Werk der Welt zeigen, es aber gleichzeitig wieder vor den Augen der Menschen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Himmel und Hölle

Man könnte sie als eine Ikone des «Musiktheaters» bezeichnen: Als 1961 der Bremer Schünemann-Verlag den be­rühmt gewordenen Band dieses Titels herausgab, entschieden sich dessen Verfasser, Siegfried Melchinger und Walter Felsenstein, für ein Titelbild mit dem Foto von Melitta Muszely als Violetta. Und unterstrichen damit die Bedeutung, die von dieser Sängerin für...

Jahrmarkt der Beliebigkeiten

Unübersichtlich fast wie die Berlinale, bunter als die Internationale Tourismusbörse: So erwirtschaftete sich «MaerzMusik», das «Festival für aktuelle Musik», in fünf Jahren einen Stammplatz in der Berliner Festivallandschaft. Die Konzepte scheinen beliebig. Doch gerade das wirkt in der verknöcherten Neuen Musik fast als Befreiungsschlag. Die Auslastung stimmt, im...

Der gemixte Orlando

«Orlando» wurde am 20. August 1720 im Privattheater des Prinzen von Torella in Neapel uraufgeführt. Das Besondere an dieser Premiere: Die Titelpartie sang ein damals noch unbekannter Sänger, der später als ­Farinelli Weltruhm erlangen sollte. Er war Schüler des Komponisten Nicola Porpora. Dieser war damals vierunddreißig Jahre jung und hatte bereits sieben Opern...