Rimsky-Korsakow: Der goldene Hahn

Oldenburg

Opernwelt - Logo

Märchenoper oder politische Parabel? Man ist sich weitgehend einig, dass Rimsky-Korsakow mit der Geschichte vom selbstherrlichen König Dodon das zaris­tische System seiner Zeit treffen wollte.

Aber lässt sich das Werk deshalb so mir nichts, dir nichts auf jede andere Regierung übertragen? Andreas Baesler hat in Oldenburg sein Inszenierungskonzept auf die Kanzlerschaft Gerhard Schröders ausgerichtet – und ist dabei vom bundesdeutschen Regierungswechsel im vergangenen Herbst kalt erwischt worden: Denn seine Figurengleichsetzungen (Dodon in Schröder-Maske, die Zaren­söhne als Joschka Fischer und Westerwelle, General Polkan als Müntefering mit rotem Schal) sind mittlerweile Schnee von gestern, sind heute genau so wenig aktuell wie die Originalgestalten des ­Librettos, bei denen er es deshalb auch hätte belassen können.
Stattdessen veranstaltet Baesler ein wenig originelles Polit-Kabarett mit handfesten Kontroversen im Sitzungssaal unter blessiertem Bundesadler, mit Demons­trationen und getürkten Fernseherklä­rungen, mit Papparazzi und liebestoller Sekre­tä­rin. All das bringt nichts weiter, als dass dem Zuschauer enge Denkvorgaben gemacht werden, weil man ihm offensichtlich nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 50
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tatjanas Traum

Gedanken, Traum, Realität: Wo hört das eine auf, fängt das andere an? Fragen, die Covent Gardens neue Produktion von «Eugen Onegin» stellt, wenn sie Tatjana aus der unschuldigen Landschaft ihrer Jugend in die luxuriöse Raffinesse von St. Petersburg begleitet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben im romantischen Wunsch nach Erfüllung.
Diese...

Strauss: Arabella

Opern von Richard Strauss gelangen in den letzten zehn Jahren in Regensburg szenisch mit wechselndem, musikalisch hingegen durchgehend mit gutem Erfolg. Nach «Intermezzo», «Elektra», «Salome», «Ariadne auf Naxos» und «Rosenkavalier» folgte nun «Arabella», die szenisch wie musikalisch in einem Maße gelang, wie es für eine Bühne dieser Größe nicht alltäglich ist.
Haus...

Harmlose Dramaturgie

Wie bereits bei der Produktion von Rameaus «Castor et Pollux» gingen den Aufnahme­sitzungen auch im Fall von Händels «Rinaldo» einige Live-Aufführungen voraus. Ende März 2004 brachten Kevin Mallon und sein Aradia Ensemble in Toronto Händels Oper konzertant auf die Bühne, und zwar in der ersten Fassung von 1711. Die CD entstand wenige Monate später und wurde jetzt...