Christopher Gillett; Foto: Privat

Mal ehrlich Dezember 2017

Kürzlich tourte das Music Theatre Wales mit dem «Goldenen Drachen» von Péter Eötvös durch Großbritannien. Ein starkes Stück. Es spielt in einem chinesischen Restaurant (Libretto: Roland Schimmelpfennig), es mäandert zwischen Surrealismus und Fabel, enthält Momente der Komik, aber vor allem viel Verstörendes, geht es doch um Menschenhandel und das Leid illegaler Immigranten. Dabei schlüpfen fünf Darsteller immer wieder in verschiedene Rollen.

Der Mezzo zum Beispiel hat sechs: eine Frau über 60, die alte Köchin, die Enkeltochter, Hans, die chinesische Mutter und die Ameise (analog gibt einer der Tenöre die Grille). Zwei schwedische Stewardessen werden von einem Tenor und einem Bariton gespielt, der asiatische Küchenjunge von einem Sopran. Kurzum: Eötvös hat Gattung, Geschlecht, Ethnie wild durcheinandergewürfelt. Man kennt das von ihm – in «Drei Schwestern» übernehmen Counter die Titelpartien.

Die Rollen in besagter Produktion waren mit weißen Solisten besetzt. Die Auswahl geeigneter Kräfte für solche Projekte ist begrenzt. Es gibt gewiss Attraktiveres, als mit einer unterfinanzierten Provinztruppe und derart kniffliger Musik durchs Land zu tingeln. Gleichwohl hat eine kleine Gruppe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 69
von Christopher Gillett

Weitere Beiträge
Impressum Dezember 2017

58. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752306

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.der-theaterverlag.de/opernwelt



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser...

Schein des Kunstlosen

Bei Titeln wie «Lieder im Volkston» mag man sich an ein Wort – oder: eine Warnung – von Bertolt Brecht erinnern: «Das Volk ist nicht tümlich.» Sollte Brecht das Volk ... überschätzt haben? Unter dem Titel «Im Volkston» veröffentlichte der Berliner Verlag Anfang des vorigen Jahrhunderts drei Sammlungen von «komponierten Volksliedern» – eigentlich eine contradictio...

Damit wir sehen, was wir hören

Die Donaueschinger Musiktage werden getragen vom Südwestrundfunk. Als eines der letzten Feigenblätter vertreten sie den Kulturauftrag der Öffentlich-Rechtlichen. Alle Festivalkonzerte werden als Mitschnitt gesendet, sechs davon live. Wunderbar!

Wer aber, beispielsweise nachts, auf der Autobahn, einer dieser Übertragungen lauscht, der sieht sich plötzlich...