Ins Innere der Seele
Das französische Wort «traversée» besitzt im Deutschen verschiedene Bedeutungen. Gemeint sein kann damit sowohl das Überqueren eine Brücke, das Durchschwimmen eines Flusses, aber auch ein Flug übers Gebirg’ hinweg.
Für Patricia Petibon und Andrea Marcon bedeutet es, wie der italienische Dirigent in einem kleinen Beitrag für das Booklet des Albums «La Traversée» durchaus poetisch darlegt, noch etwas Größeres: eine Reise, die insbesondere von persönlichen Spannungen und Empfindungen bestimmt ist, durch mehrere Jahrhunderte der Musikgeschichte führt und dabei die Gefühlswelten der französischen Sopranistin ans Licht bringt – mithin als ein in Töne gefasstes Psychogramm einer Künstlerinnenseele zu verstehen ist.
Diese Seele wandert gleichsam durch die Epochen, vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zu Giuseppe Verdi (und zu dessen «Les Vêpres siciliennes» und Hélènes flammenden Appell «Ami! Le cœur d‘Hélène»). Ausgangspunkt für Petibons facettenreiche Selbsterkundung bildet die «Passacaglia della vita» von Stefano Landi, ein streng gefasstes, melodiös behutsames Stück, das sie mit betonter Zurückhaltung singt, äußerst vorsichtig, distanziert-distinguiert. Schon hier wird eine Eigenart ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Jürgen Otten
Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied! Ein leidig Lied!» Des Branders Sinnieren in Auerbachs Keller gehört zu den obligaten «Faust»-Zitaten, auch im Sinne einer nicht minder «klassischen» Dreiteilung der Lebensbereiche: volkstümliche Lustbarkeit, «hohe» Kultur, schnöde Politik. Das Wahre, Gute, Schöne als erhabener Widerpart zur allemal prekären...
Am Anfang die Dunkelheit. Und ein Klang, der raunend durch den Saal kreist und von dem man zunächst nicht weiß, woher er stammt. Man spürt nur, dass damit eine Atmosphäre der unheilvollen Ahnung heraufbeschworen wird. Wer den Roman «De Bekeerlinge» (zu deutsch: «Die Fremde») von Stefan Hertmans gelesen hat, der Krystian Lada als Grundlage für sein Libretto diente,...
Den verletzten Bullen hatten wir schon. Den dumpfen Angstbeißer, auch den freundlichen Onkel, hinter dessen Empathie-Fassade das Grauen lauert. Aber diese Version von Peter Grimes scheint neu und interessiert uns schon mal prinzipiell. Ein Freak. Irgendwo zwischen Woodstock und Oberammergau. Ein sonderlicher Aussteiger, der in einer Höhle am rechten Bühnenrand...
