Maigesänge
Es schwinden jedes Kummers Falten, / solang des Liedes Zauber walten»: Auch Friedrich Schiller muss in Stammbuchstimmung gewesen sein, als ihm dieser Reim einfiel. Ob sich sein jüngerer Zeitgenosse Ludwig van Beethoven davon bezaubern ließ, wissen wir nicht.
Wohl aber, dass sich Beethovens Lied-Œuvre von nicht ganz einhundert Kunstliedern und ebenso vielen Volksliedbearbeitungen gegenüber dem symphonischen Schaffen des «Titans» endlich doch emanzipiert zu haben scheint – wenngleich man ihm bis heute eine ähnliche Wirkungsmächtigkeit wie bei Schubert vielfach nicht attestiert, sondern das Beethoven’sche Lied als Ornament im Gesamtwerk ansieht.
Geschuldet waren die vermehrten Einspielungen dieser Stücke in den letzten Jahren auch der zweihundertfünfzigsten Wiederkehr seines Geburtstags. So legte, pars pro toto, Ian Bostridge zusammen mit Antonio Pappano sowie Vilde Frang (Violine) und Nicolas Altstaedt (Violoncello) seinen individuellen Zugriff auf Beethoven-Lieder und Folksongs vor; Matthias Goerne und Pianist Jan Lisiecki näherten sich dem Œuvre mit eher balsamischem Ton; André Schuen sorgte mit dem Boulanger Trio für überaus reizvolle Auslegungen ebenfalls von Liedern und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 28
von Gerhard Persché
Was Matthias Goernes neueste CD (aufgenommen bereits 2018) aus der Vielzahl jüngster Liedveröffentlichungen heraushebt, ist das Klavierspiel Daniil Trifonovs. Goerne hat schon immer die Partnerschaft auf Augenhöhe mit Starpianisten gesucht. Aber kaum je zuvor war das Ergebnis so überwältigend wie jetzt mit Trifonov, der einfach alles kann. Sein unvergleichlicher...
Endlich entdeckt man flächendeckend die Musik von Komponistinnen! Komponistinnen komponierten im Laufe der Jahrhunderte (wenn überhaupt) aus bestimmten sozialen Milieus und Umständen heraus: vor dem 16. Jahrhundert fast gar nicht, im 17. und frühen 18. Jahrhundert als Nonnen musikbeflissener Klöster, im späteren 18. Jahrhundert als Adelige (oder Adel-Assoziierte),...
Graz gilt als italienischste Stadt Österreichs und lockt mit pittoreskem Barock, einigen Perlen modernster Architektur, südlichem Flair und Lebensart. Seit 1985 zählt die alljährlich stattfindende Styriarte zu den Säulen des reichen Kulturlebens in der steiermärkischen Kapitale; prägende Figur des Festivals war lange der in Graz aufgewachsene Nikolaus Harnoncourt....
