Magische Momente
Ein Bild, zu schön, um wahr zu sein: Auf einer Schaukel schwebt Rusalka übers Wasser. Die Schuppen ihres Nixenkleides funkeln von türkis bis smaragdfarben in allen Grüntönen, die lange Schärpe fließt glitzernd an ihrem Körper herab. Doch das Idyll hat einen Riss: Rusalka will heraus aus ihrer Nixenhaut, ihr nasskaltes Ich abstreifen und menschliche Gestalt annehmen, um die Liebe des Prinzen zu gewinnen.
Antonín Dvořáks «Rusalka», in der Andersens Märchenerzählung «Die kleine Meerjungfrau» mit dem slawischen Mythos der Rusalki verschmilzt, beschreibt eine unheilvolle Metamorphose. Und der Preis, den die Nixe für ihre Menschwerdung zahlt, ist hoch: Sie opfert ihre Stimme, die Rückkehr in die Wasserwelt ist ihr auf immer versperrt. Der Mythos weiblicher Selbstaufopferung strahlt selten so hell wie in diesem Stoff. Doch Regisseur Axel Vornam umschifft die pathetischen Klippen des Librettos, indem er den Fokus seiner Inszenierung auf Rusalkas blindwütige Sehnsucht nach Verwandlung lenkt, auf den Wunsch, eine andere zu werden.
Wie besessen wälzt sie sich vor der Hexe Jezibaba auf dem Boden. Das glänzende Schuppenkleid scheint ihr zu eng geworden. Sie zuckt und windet sich wie bei ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Silvia Adler
JUBILARE
Sheila Armstrong wurde am 13. August 1942 im Nordosten Englands, in Ashington geboren. Sie studierte Gesang an der Newcastle University und an der Royal Academy of Music in London. Mit 23 Jahren feierte Armstrong ihr Debüt als Despina in Mozarts «Così fan tutte» am Sadler’s Wells Theatre in London. Ab 1973 sang sie am Royal Opera House Covent Garden in...
Inzwischen kann man die «Turandot» ruhig die «Königin der Opern» nennen. Ein Wohlfühlevent, auf das sich alle einigen können; das Stück, mit dem man bei der Jugend am ehesten frische Begeisterung fürs Genre erzeugt, eine Art Lunapark, mit einer nie unterbrochenen Ohrwurmdichte, die es auch Anfängern ermöglicht, die wichtigsten Melodien und Motive der Partitur...
Im Grunde ist mit den ersten Worten das Wesentliche gesagt: «Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.» Der Wanderer in Schuberts «Winterreise» auf die ingeniösen Verse Wilhelm Müllers weiß, wohin sein Weg ihn führt: in jenes Dunkel, aus dem er kommt, immer schon kam. Eine Lichtgestalt war er nie, wird es nicht mehr werden. Und wer noch daran zweifelte,...
