Enttäuschte Liebe
Mozarts Türkenoper «Die Entführung aus dem Serail» zählt zu den Sorgenkindern des Kernrepertoires. Das Problem der Dialoge ist dabei noch älter als das heikle Thema der heute verpönten Orientklischees. Krummsäbel und Turbane bleiben seit langem im Schrank, und die meisten Aktualisierungsversuche ändern oder überschreiben Johann Gottlieb Stephanies Libretto.
Luk Perceval begnügt sich in Mannheim damit nicht, sondern greift in seiner Inszenierung – sie war vor zwei Jahren schon in Genf zu sehen – radikal in die Substanz von Mozarts Singspiel ein.
Die Dialoge ersetzt er durch Reflexionen aus Asli Erdogans Roman «Der wundersame Mandarin», die darin ihre Erfahrungen als junge Physikerin in Genf verarbeitet. Vier der zentralen Figuren (Konstanze, Belmonte, Blondchen und Osmin) verdoppelt er durch Sprechparts, die als gealterte Alter Egos ihrer Figuren deren Tun reflektieren.
Eine solche Verdoppelung ist nicht neu, Hans Neuenfels’ legendäre Stuttgarter Inszenierung hat das bereits 1998 vorexerziert. Aber Perceval geht viel weiter, er entfernt sich durch die neuen Texte, die bestenfalls assoziativ an Mozart anknüpfen, beinahe vollständig von der Erzählung. Zumal er auch die Figur des ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Regine Müller
Die Frage ist gut: Warum hat Johann Sebastian Bach zeitlebens keine Oper komponiert? Iso Camartin, Philologe und Essayist, von 1985 bis 1997 Professor für rätoromanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich und bekennender Opernliebhaber, geht ihr mit einer Unbefangenheit nach, die man ihm als Naivität auslegen könnte – mit der Begründung nämlich, Bach...
Die ersten Takte gehören ihm, dem Sadisten, dem Schlächter, dem Sexmonster: Scarpia ist die treibende Kraft dieses Thrillers. Die Liebenden, Tosca und Cavaradossi, Künstler sie beide, sind nichts als Opfer dieses perversen männlichen Willens. Der bleibt selbst postmortal noch omnipräsent – durch Scarpias Handlanger und durch die Macht der Musik, qua der Puccini der...
Alles schwarz, so schwarz wie meine Kleider. Alles schwarz, ich seh‘ nichts andres, leider.» So sang die bekanntlich aus ehemaligen Thomanern bestehende Band «Die Prinzen» auf ihrem schönen Album «Schweine» aus dem Jahr 1995. In dem Song geht es, anders als die Worte es intendieren, überhaupt nicht um irgendeine «Schwarzmalerei» oder um «Krise». Doch wollen wir ja...
