Märchenpost aus Russland
Zu den schmissigen Klängen der Ouvertüre schwebt vom Bühnenhimmel eine überdimensionale Wodkakiste auf die ansonsten nackte Bühne nieder – Märchenpost aus Russland, aus deren sich öffnenden Seitenflächen die fantasievoll-farbenprächtig kostümierten Gäste der Hochzeitsfeier von Ruslan und Ludmila strömen. Was das Regie- und Ausstattungsteam mit diesem vom Premierenpublikum spontan akklamierten Coup versprach, hat es gehalten.
Glinkas allzu selten auf deutschen Bühnen auftauchende fantastische Oper mischt (wie schon Puschkins als Textvorlage dienende Verserzählung) die heiter-tragische Märchenwelt durch einen kräftigen Schuss Ironie auf. Schlag auf Schlag präsentiert die rotierende, mal sich schließende, dann wieder sich öffnende Riesenkiste in immer neuen optischen Facetten die episodisch aneinandergereihten Szenen. Regisseur Nicholas Broadhurst und das Bühnen- und Kostümbildnerpaar Timo Dentler/ Okarina Peter haben bei ihrer szenischen Umsetzung genau auf Glinka gehört, der die klassizistische Ausgewogenheit seiner westlichen Vorbilder durch Anklänge an die russische wie orientalische Folklore aufbricht und das Ganze mit einer instrumentalen Klangfarbenkunst aufmischt, die selbst ...
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