Märchen für alle
Man mag Barrie Kosky für einen zuweilen leichtfertigen Regisseur halten. Aber kaum je für einen langweiligen. Mit dieser angelsächsischen Tugend könnte ihm noch einmal die Schlüsselrolle zufallen, aus den Einbahnstraßen eines inzwischen oft verbraucht wirkenden Regietheaters Auswege zu finden. Mit «Rusalka» jedenfalls gelingt ihm in Berlin nicht nur ein Votum für ein gern unterschätztes Meisterwerk, sondern eine seiner besten Arbeiten bislang.
Kosky hält die Geschichte von der Wasserfrau, die zu den Menschen will (und dabei ihren Prinzen mit in den Abgrund reißt), für einen zweifelsfreien Märchenstoff. Dennoch will er, dass sich jeder Zuschauer sein eigenes Märchen projiziert. Ein zunächst merkwürdig bescheidener, um nicht zu sagen: unmöglicher Anspruch. Denn dann könnte sich jeder zu Hause seine eigene CD auflegen – und drauflos projizieren. Klaus Grünberg hat das Neorokoko-Bühnenportal des Hauses dupliziert und noch einmal auf die Bühne bauen lassen – verkleinert, so dass wir die Handlung in doppeltem Rahmen sehen: Theater auf dem Theater. Was das mit der erklärten Projektionseinladung an das Publikum zu tun hat, ist dem Verfasser, ehrlich gesagt, verschlossen geblieben. Da aber ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Kai Luehrs-Kaiser
Längst hat die Musikwissenschaft das Musiktheater der Gegenwart als lohnendes Forschungsobjekt entdeckt. Das umfangreiche Buch von Claudia di Luzio ist schon die zweite Dissertation zu den Bühnenwerken von Luciano Berio (nach Ute Brüdermann, «Das Musiktheater von Luciano Berio», Frankfurt/M., Peter Lang 2007). Beide Autorinnen haben wesentlich dieselben Quellen...
I
Direkt am Kap der Guten Hoffung ist nicht viel zu sehen. Man steht im Windschatten eines unscheinbaren Felsenfingers. Touristen knipsen sich gegenseitig nach dem bewährten «Take your picture here»-Hinweis. Ein paar Meter entfernt schnüffeln zerzauste Strauße nach Gräsern und fressbaren Steinen, mit denen sie ihre Verdauung anregen. Wesentlich spektakulärer sieht...
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