Glut und Grazie
Über ihre darstellerische Identifikation mit der Rolle lässt sich nichts sagen. Wohl aber etwas über ihre sängerische. Anja Harteros gab ihr Rollendebüt als Leonora in Verdis «Trovatore», steckte aber nicht im Kostüm. Denn die Kölner Oper hat das Werk konzertant angesetzt, nicht im Stammhaus, sondern in der nahe gelegenen Philharmonie, die rechtzeitig als eine von mehreren Interimslösungen von der Intendanz auserkoren worden war.
Wenigstens für Stunden war damit die kommunale tour d’erreur vergessen.
Dass man sich in der Domstadt, von politischer Seite, heftig rangelt und blamiert, ist ja nichts Neues. Diesmal geht es um die Suche nach dem besten von mehreren mäßigen Ausweichquartieren für die kommenden Spielzeiten. Man wird sich festlegen müssen, so oder so. Bleibt nur zu hoffen, dass man mit der Entscheidung nicht den Intendanten und den GMD im pas de deux vergrault.
Die erste von drei «Troubadour»-Aufführungen wurde laut bejubelt. Das lag vor allem an den beiden Protagonistinnen, da die männlichen Kollegen auf Mittelmaß verharrten. Während sich Mirco Palazzi als Ferrando achtbar schlug, kämpfte Kiril Manolov als Graf Luna mit den oberen Tonbereichen und der Kunst der Kantilene – ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Christoph Vratz
Dieser Platz trägt seinen Namen zu Recht: Stille herrscht auf dem Friedensplatz vor dem Anhaltischen Theater. Die gleiche Stille, die inzwischen in so vielen ostdeutschen Klein- und Mittelstädten zur Regel geworden ist. Auch Dessau ist zu groß für diejenigen, die geblieben und nicht nach Bayern oder Baden-Württemberg abgewandert sind. Abends belebt sich der Platz,...
Nach dem großartigen «Lohengrin» zu Beginn der Spielzeit ging das Theater Regensburg mit «Die tote Stadt» erneut an seine Grenzen. Der Abend forderte alle Abteilungen und konnte in der Regie von Ernö Weil, die vorrangig Seelenzustände ausleuchtet, gänzlich überzeugen. Erneut ist die Leistung des Philharmonischen Orchesters unter Tetsuro Ban hervorzuheben, die das...
Rückblende: Als Kirsten Harms im Oktober 2006 an der Deutschen Oper Berlin Alberto Franchettis 1902 uraufgeführte und nach einigen Jahren vergessene Revolutionsoper «Germania» wieder auf die Bühne brachte, fiel das kritische Urteil in der Tagespresse vernichtend aus. Zu den wenigen Stimmen, die damals widersprachen, gehörte diese Zeitschrift (siehe OW 12/2006) –...
