Männerfantasien
Elf Jahre leitete Dagmar Schlingmann als Intendantin die Geschicke des Saarländischen Staatstheaters, eine überdurchschnittlich lange Zeitspanne für Häuser jeder Größenordnung, Indiz zudem für eine erfolgreiche Tätigkeit – mit guter Publikumsresonanz, was angesichts der ewigen Finanznöte im kleinsten deutschen Flächenbundesland nicht unerheblich ist. Als Regisseurin war sie, vom Schauspiel kommend, auch außer Haus gefragt; zu ihren Saarbrücker Dauerbrennern gehörten «Tosca» und insbesondere Rossinis «Barbiere», Letzterer eine komödiantische Feinarbeit.
«Tannhäuser», die letzte Musiktheatertat der Schlingmann-Ära, ist grosso modo wohl immer noch die Wagneroper mit der beträchtlichsten gemeinsamen Schnittmenge von romanisch inspiriertem Stimm- und Effektfeuer und romantisch-deklamatorischem Tiefsinn. Die antagonistischen Mächte der Venus- und der Elisabeth-Sphäre ergeben ein dankbar kontrastives dramatisches Potenzial. Dass es sich dabei weithin um ideologisch präparierten Illusionismus handelt, also um Männerfantasien einer Ritter- oder Bürgergesellschaft, machte die Rezeption immer schon auf unterschiedliche Weise deutlich – bis hin zur Praxis, die beiden weiblichen Hauptrollen ...
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