Mängelwesen
Am schönsten gesungen (nämlich: gesungen!) wird am Anfang – in einem fragwürdigen Etablissement des späten 19. Jahrhunderts. Dieter Richters Einheitsraum taugt als Habitat für die kranke Familie Wotan ebenso wie für leichte, Absinth trinkende Rheinmädchen. Und so leicht, wunderbar gemischt, wie selbstverständlich beieinander betören Anke Krabbe, Maria Kataeva und Ramona Zaharia den Underdog Alberich, dass es mit dem Weialaweia gar kein Ende nehmen müsste.
Nimmt es aber, und im weiteren Verlauf ist dann allzu oft zu hören, wie Deklamation, verstanden als «Ausdruck», kompensieren muss, was an Volumen fehlt. Beim klumpfüßigen, zahnlückigen Alberich von Michael Kraus mag das noch angehen; bei Simon Neals Wotan indes schmerzt es, wenn sich schon bei «Der Wonne seligen Saal» die nötige göttlich-baritonale Flughöhe nicht einstellen will.
Es gab Zeiten, da kurvten im deutschen Opernregietheater dauernd Rollstühle über die Bühne, inspiriert durch einen immer irgendwie kritischen Impuls. Bestimmt auch bei Dietrich W. Hilsdorf, der seine Meriten als Störenfried eines affirmativen Repertoirebetriebs in den vergangenen 40 Jahren wohlverdient hat. Hilsdorf beschreibt die Beziehungen seiner ...
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Für das deutsche Publikum ist Kurt Weill in erster Linie der Komponist von Stücken, die in Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht entstanden sind, vor allem «Die Dreigroschenoper» und «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny». Sein reiches amerikanisches Œuvre, weitgehend frei von politischer Ambition, wird hierzulande gerne in die U-Musik-Ecke geschoben, weil es dem Stil...
Das Größte an dieser letzten zu Lebzeiten des Komponisten aufgeführten Tragédie sei die Musik, sagt Christian Curnyn, der – nach seinem Hausdebüt mit «Castor et Pollux» – zum zweiten Mal als Rameau-Spezialist an die Komische Oper engagierte Gastdirigent aus England. Wohl wahr. Die schwirrende Harmonik, die klanglichen Kontraste, das Vexierspiel der Instrumente, der...
Wir stellen uns die Szene vor. Eine Party. Im Salon die Erwachsenen, angeregt über Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft disputierend. Nebenan eine bunte Rasselbande, im enthemmten Durcheinander. Mitten unter ihnen, auf Knien durchs Zimmer rutschend, ein soignierter Herr im Anzug ... Eine Fiktion. Allein, sie war Realität. Maurice Ravel liebte es, unter den...
