Mäh, Muh, Meck
Es ist nicht bekannt, wie viele Stunden Dietmar Dath pro Tag in Morpheus’ Armen verbringt. Aber wir vermuten: Es sind eher wenige. Ein Buch nach dem anderen verfasst dieser Vielbegabte, und das in einem solch aberwitzigen Tempo, dass sich die Vermutung aufdrängt, er könne die Themen, denen er sich widmet, nicht wahrhaft durchdringen. Allein, er vermag es, unabhängig vom Genre und den behandelten Topoi.
Daths Schatzkiste ist prall gefüllt, nicht nur mit brillanten wissenschaftlichen und gesellschaftstheoretischen Schriften – darunter vor allem «Die Abschaffung der Arten» und, gemeinsam mit Barbara Kirchner, «Der Implex». Im breiten Œuvre dieses fabulierfreudig-intellektuellen Schriftstellers findet sich darüber hinaus auch noch manch belletristisches Glanzstück.
Nun hat Dath, nein, kein Libretto, sondern einen «Text» für eine «Oper» geschrieben, die vom Staatstheater Kassel in Auftrag gegeben und durch die Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert wurde: Ob allerdings Felix Leuschners «Einbruch mehrerer Dunkelheiten» überhaupt der Gattung zuzuordnen sei, steht zumindest zur Diskussion. Das Stück ist wohl doch mehr ein Diskurstheater mit einer vielfältig mäandernden, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jürgen Otten
Fast einhundert Jahre alt ist Zofia Posmysz inzwischen, die 1942 nach Auschwitz, später ins KZ Ravensbrück verschleppt wurde. Anneliese Franz, eine ihrer Wärterinnen, starb dagegen bereits 1956, noch bevor ihr der Prozess gemacht werden konnte. Posmysz konnte das nicht wissen, als sie ihre Erlebnisse 1962 in einer Erzählung verarbeitete. Und doch gehört es zu den...
Claude Debussys 1902 uraufgeführte Anti-Oper «Pelléas et Mélisande» steht wie ein erratischer Block am Beginn des 20. Jahrhunderts. In seiner Vertonung des Maeterlinck’schen Prosaschauspiels negiert Debussy alles, was bis dahin die Gattung ausmachte – Arien, Ensembles, Chöre, Melodien, in der rhythmisierten, dem Rezitativ angenäherten Deklamation des Worts selbst...
Benjamin Bernheim, der neue französische Tenorstar, widmet sein zweites Recital dem «Boulevard des Italiens». In Paris mit einer französischen Oper zu reüssieren, war seit den frühen 1770er-Jahren das Wunschziel jedes italienischen Komponisten. Die von Verdi sarkastisch als «grande boutique» apostrophierte Opéra geriet unter italienischen Einfluss, zugleich änderte...
