CD des Monats: Seelenmusik
Claude Debussys 1902 uraufgeführte Anti-Oper «Pelléas et Mélisande» steht wie ein erratischer Block am Beginn des 20. Jahrhunderts. In seiner Vertonung des Maeterlinck’schen Prosaschauspiels negiert Debussy alles, was bis dahin die Gattung ausmachte – Arien, Ensembles, Chöre, Melodien, in der rhythmisierten, dem Rezitativ angenäherten Deklamation des Worts selbst das Singen. So geheimnisvoll und rätselhaft wie die in tragischer Unwissenheit im Labyrinth ihres Innern eingeschlossenen Figuren ist auch die Musik.
Es ist eine Kunst der Andeutung, der Seelenempfindungen, der Regungen des Unbewussten, des Unerklärlich-Unsagbaren, ja, des Schweigens, die sich im Erscheinen zugleich entzieht. Seit der legendären Studio-Aufnahme Roger Désormières 1942 und den Mitschnitten des in seiner Jugend mit Debussy befreundeten Désiré-Émile Inghelbrecht aus den 1950er-Jahren ist vielleicht kein Dirigent ihrem Geheimnis so nahegekommen wie jetzt François-Xavier Roth.
Garant dieses Gelingens, den, so Marcel Proust, «schwermütig singenden Ton» Debussys zum Leuchten, Farben in seine scheinbare Grisaille-Malerei zu bringen, ist zuallererst Roths phänomenales, auf historischen Instrumenten musizierendes ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Uwe Schweikert
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
Tel. 0241/478 42 44 theaterkasse@mail.aachen.de www.theateraachen.de
- Sondheim, Sweeney Tod: 2.
- Britten, A Midsummer Night’s Dream: 3.
Altenburg siehe Gera
Annaberg-Buchholz Winterstein-Theater
Tel. 03733/140 71 31 ...
Immer mit einem Fez auf dem Kopf für die Touristen herumstehen, das fetzt auch nicht so richtig. Also wirft Rafał Tomkiewicz als Nireno den Kaftan ab und legt einen Bauchtanz hin, während ein Klavier die barocke Orchesterbegleitung ins Kaffeehaus verlegt, zu finden wahrscheinlich im filmmythischen Casablanca. Der musikalische Leiter macht das willig mit,...
Faltenröcke machen früh alt. Jener, in dem die verträumte Bücherratte Tatjana steckt, lässt die junge Frau zu Beginn bereits wie ihre eigene Oma aussehen, die mit Vorliebe vom Damals erzählt, als die Zukunft noch so viel besser war. Doch die Schwärmerin singt sich in ihrer Briefszene empor aus dem wohlsortiert-langweiligen Landleben jenes Spießbürgeridylls, das...
