Luzerner Ambitionen
Benedikt von Peter ist Herr über ein Haus mit den Ausmaßen einer Puppenstube, aber er denkt gar nicht daran, deshalb kleine Brötchen zu backen. Seine Intendanz in Luzern hat bislang ein Theater produziert, das sich nicht einsperren lässt, sondern die Stadt konsequent in Besitz nimmt, sich einmischt und mit kühnen Ideen Gehör verschafft statt mit Krawall und Getöse.
Zu Beginn seiner Inszenierung von Schumanns «Faust-Szenen» versammelt er das Publikum vor der barock-imposanten Jesuitenkirche gleich nebenan und lässt ein Osterfeuer entzünden.
Unters wartende Volk mischen sich bald lemurenhafte Gestalten, auch die Kinder der Statisterie, Mädchenchor und Sängerknaben. Aschgrau, vampirhaft und ausgesprochen untot stehen sie um die Flammen, entrollen Transparente und stimmen den berührend einfachen Endenicher Choral an, den Robert Schumann noch in Dr. Richarz’ «Anstalt für Behandlung und Pflege von Gemütskranken und Irren» komponierte. Es ist ein Gebet um eine gute Sterbestunde. Mit einem Mal öffnet sich das Portal der Jesuitenkirche, von innen strahlt es hell wie bei einem Festgottesdienst, und weit weg, vorne im Chorraum, dirigiert Clemens Heil die Ouvertüre, die wie aus einer anderen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Clemens Prokop
Nicht im Opernhaus, sondern im Audimax der Bochumer Ruhr-Universität hat Peter P. Pachl in Koproduktion mit Deutschlandradio Kultur und der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft dessen Märchenoper «An Allem ist Hütchen schuld!» auf die improvisierte Bühne gebracht und abermals eine Lanze für den unterschätzten Sohn Richard Wagners gebrochen.
Siegfried –...
«Diese Bilderbuchkarrieren, gibt’s die überhaupt?», fragte Doris Soffel im Gespräch mit «Opernwelt» einmal (siehe OW 9-10/2015). Ihre Antwort: «Nein! Es gibt nur Zickzack.» Mit entwaffnender Offenheit sprach da eine Mezzosopranistin, die vom Koloraturfach kommt, ihren internationalen Durchbruch nach neun Stuttgarter Ensemblejahren als Sesto in Mozarts «Tito»...
Die Tränen Sofias sind anders. Irgendwie weicher, samtiger. Dass sie aber so reichlich vom Himmel herabkullern, überrascht selbst Einheimische. Frühling sollte es sein, wenn Gäste aus aller Damen und Herren Länder in die bulgarische Kapitale kommen, aus Kanada und Österreich, Schweden und den USA, aus Litauen und Lettland, um sich im schmucken Opernhaus drei Tage...
