Klanggedächtnis
Herkulesaufgabe? Sisyphusarbeit? Man darf sich in der Beschreibung von Christian Merlins Jubiläumsgabe zur 175. Wiederkehr des Geburtstags der Wiener Philharmoniker durchaus aus dem Mythos der Antike bedienen. Natürlich könnte man auch Goethe zitieren: «Nur das Leichtere trägt auf leichten Schultern den Schöngeist. Aber der schöne Geist trägt das Gewichtige leicht ...»
Und gewichtig ist dieses zweibändige, insgesamt 640 Seiten umfassende Standardwerk sicherlich, was nicht nur die Waage und der Preis bestätigen, sondern auch die Lektüre. Ungewöhnlich Merlins Prozedere.
Der Pariser Musikwissenschafter und Kritiker formte das geschichtliche Bild dieses Orchesters aus den individuellen Biografien der Instrumentalisten. Dafür erstellte er Dateien aller 851 Mitglieder des Orchesters seit dem Gründungsjahr 1842 und erarbeitete eine Genealogie sowohl hinsichtlich der Familienbeziehungen als auch der Abfolge der Besetzungen der einzelnen Pulte. Im ersten Band nutzt er dies für eine sehr leserfreundliche Geschichte des Klangkörpers; der zweite ist eine alphabetisch-lexikalische Auflistung der Instrumentalisten (zu denen im Übrigen seit 20 Jahren auch Frauen zählen; nach heutigem Stand etwa ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 37
von Gerhard Persché
Wiedereröffnung
Das Warten hat ein Ende. Nach rund sechsjähriger Sanierung ist das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth wieder spielbereit. Das erste Stück: Hasses «Artaserse». Ein Bericht
Marianne Crebassa
Nach ihrem Salzburg-Debüt in der Titelpartie von Dalbavies «Charlotte Salomon» erregte die französische Mezzosopranistin dort 2017 als Sesto in Mozarts «Tito»...
Ein französischer Komponist aus der Zeit Ludwigs XIV., dessen Name nicht geläufig ist – das macht zumindest neugierig. Umso mehr, als der selbst im Bielefelder Katalog kaum vertretene Nicolas Bernier (1665-1734) hier mit Kammerkantaten vorgestellt wird, deren Meisterwerke von Campra über Clérambault bis zu Montéclair und Rameau bekannt sind und in zahllosen...
«Ein bisschen absurd» sei die Angelegenheit, sagt er. «Es ist sogar etwas geisteskrank.» Schuld, Sühne, das mag da mitschwingen, wahrscheinlich auch anderes: Stolz. Zwei Premieren innerhalb von drei Tagen, Donizettis «Maria Stuarda» am Münchner Gärtnerplatz (22. März), dann Puccinis «Tosca» bei den Salzburger Osterfestspielen (24. März), das muss Michael Sturminger...
