Lustvoll aufgekocht
Luigi Rossi (1597-1653), Tonschöpfer aus Torremaggiore, wäre, hätte er das Elixir fürs ewige Leben gefunden, nun 421 Jahre alt. Seiner Musik scheint dies indes gelungen; nach langen Jahren des Schattendaseins wirkt sie revitalisiert, frisch und lebendig. Dies gilt zweifellos auch für Rossis Version des Orpheus-Mythos. Raphaël Pichon, Shootingstar der Alten Musik in Frankreich, widmete sich ihr vor zwei Jahren in einer Produktion der Opéra national de Lorraine in Nancy, die in Bild und Ton festgehalten wurde.
Rossi, in Frankreich «gut vernetzt», komponierte «Orfeo» im Auftrag von Kardinal Mazarin; das Werk wurde 1647 im Pariser Théâtre du Palais-Royal uraufgeführt. Es unterscheidet sich von der mehr als 100 Jahre später entstandenen Version Glucks wie auch von jener des Rossi-Zeitgenossen Monteverdi zunächst durch die Länge – die dreiaktige tragi-comédie dauert etwa vier Stunden, inklusive eines zu Ehren des Sonnenkönigs Ludwig XIV. verfassten Prologs und eines patriotischen Epilogs – sowie durch das viel umfangreichere Personal: Die Partitur verlangt 26 Solisten und Chor. Im Mittelpunkt steht eine pikante ménage à trois – zu Orfeo und Eurydice gesellt sich als Nebenbuhler der ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Gerhard Persché
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«Alles was du bist, bist du nur durch Verträge.» Sich an diese Warnung, von Fasolt an Wotan gerichtet, vor dem Abschluss von langfristigen Vereinbarungen mit Künstlern zu erinnern, ist ratsam – gerade bei Sängern, bei denen die Nornen-Frage zu stellen ist: «Weißt du, wie das wird?» Vor sieben Jahren kündigte die Deutsche Grammophon Gesellschaft die Aufnahme der...
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