Liebe im All: Atalla Ayan (Rodolfo) und Sonya Yoncheva (Mimì); Foto: Bernd Uhlig
Lost in Space
Eine neue «Bohème», kurz vor Weihnachten in Paris, mag man an der Opéra national gedacht haben, das passt wie der Weihnachtsbaum auf die Place de la Concorde. Spielen doch mindestens die beiden ersten Akte des Stücks just am Heiligen Abend in der französischen Hauptstadt. Doch sollte man in der Intendanz darauf spekuliert haben, dann hätte man die Rechnung zumindest ohne den Regisseur gemacht, wie eine von ständigen Zwischenrufen unterbrochene, in einem heftigen Buhsturm endende Premiere in der Opéra Bastille zeigte.
Dabei hatte es Claus Guth hübsch rieseln lassen zu Beginn des dritten Bildes, also dort, wo es in vielen Inszenierungen schneit. Freilich nicht an der Zollschranke von Paris, sondern deutlich weiter im outer space: auf dem Planeten nämlich, an dem das Raumschiff endgültig zerschellt ist, in dem Rodolfo und seine Freunde als Astronauten tätig waren. Nur noch Bruchstücke liegen herum in der Schneelandschaft vor dem dunklen Weltenraum, während in den ersten beiden Bildern das Bühnenbild von Étienne Pluss noch den Blick in den Innenraum des Gefährts geboten hatte. Zu tun ist nicht mehr viel, nachdem man jeden Kontakt zur Erde verloren hat. Weshalb Rodolfo nicht nur am ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Michael Stallknecht
«Warten auf Stradella» heißt Salvatore Sciarrinos neue Oper «Ti vedo, ti sento, mi perdo» im Untertitel. Der Komponist Alessandro Stradella (1639-1682) wird, wie Becketts Godot, sehnlichst erwartet, taucht aber nie auf. Stattdessen kommt ein Bote mit der Nachricht von seiner Ermordung. Die knapp zwei Stunden Spieldauer bis dahin vertreibt sich die...
Die Tragödie beginnt als brillante Soap. Hochzeitsparty ist angesagt. Die Stimmung in der heruntergekommenen Wohnküche, die Johannes Leiacker quer auf die Bühne platziert hat, so dass ihre Spitze über den Orchestergraben ragt, treibt dem Höhepunkt zu. Die schon angetrunkenen Gäste bespaßen das Brautpaar Kreusa und Jason. Der übergriffige Brautvater Kreon – Shigeo...
59. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752307
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.der-theaterverlag.de/opernwelt
Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)
Redaktionsbüro
Andrea Kaiser...
