Liebe im All: Atalla Ayan (Rodolfo) und Sonya Yoncheva (Mimì); Foto: Bernd Uhlig

Lost in Space

An der Pariser Opéra Bastille hebt Claus Guth mit Puccinis «Bohème» ins All ab, Gustavo Dudamel drückt das Tempo

Opernwelt - Logo

Eine neue «Bohème», kurz vor Weihnachten in Paris, mag man an der Opéra national gedacht haben, das passt wie der Weihnachtsbaum auf die Place de la Concorde. Spielen doch mindestens die beiden ersten Akte des Stücks just am Heiligen Abend in der französischen Hauptstadt. Doch sollte man in der Intendanz darauf spekuliert haben, dann hätte man die Rechnung zumindest ohne den Regisseur gemacht, wie eine von ständigen Zwischenrufen unterbrochene, in einem heftigen Buhsturm endende Premiere in der Opéra Bastille zeigte.

Dabei hatte es Claus Guth hübsch rieseln lassen zu Beginn des dritten Bildes, also dort, wo es in vielen Inszenierungen schneit. Freilich nicht an der Zollschranke von Paris, sondern deutlich weiter im outer space: auf dem Planeten nämlich, an dem das Raumschiff endgültig zerschellt ist, in dem Rodolfo und seine Freunde als Astronauten tätig waren. Nur noch Bruchstücke liegen herum in der Schneelandschaft vor dem dunklen Weltenraum, während in den ersten beiden Bildern das Bühnenbild von Étienne Pluss noch den Blick in den Innenraum des Gefährts geboten hatte. Zu tun ist nicht mehr viel, nachdem man jeden Kontakt zur Erde verloren hat. Weshalb Rodolfo nicht nur am ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Alle Macht den Stimmen?

Die Barockoper jenseits von Monteverdi und Händel ist auf den Bühnen noch immer eine Rarität. Ganze Bereiche barocker Opernschätze sind ungehoben. Das betrifft vor allem den Übergang vom venezianischen Früh- zum neapolitanischen Hochbarock, aber auch das von Metastasio kodifizierte Dramma per musica, das seit den 1720er-Jahren von Neapel aus ganz Europa eroberte....

Ungekämmt

«Warten auf Stradella» heißt Salvatore Sciarrinos neue Oper «Ti vedo, ti sento, mi perdo» im Untertitel. Der Komponist Alessandro Stradella (1639-1682) wird, wie Becketts Godot, sehnlichst erwartet, taucht aber nie auf. Stattdessen kommt ein Bote mit der Nachricht von seiner Ermordung. Die knapp zwei Stunden Spieldauer bis dahin vertreibt sich die...

Editorial Januar 2018

Irgendwann konnten sie nicht mehr stillhalten. Irgendwann mussten die Spatzen die Schnäbel öffnen. Und ein Pfeifkonzert anstimmen, das weit über Münchens Dächer hinaushallte. Mit einer Botschaft, die zwar noch nicht vertraglich besiegelt ist, aber doch ins Schwarze trifft. Kurz und gut: Aus dem Bayerischen Kultusministerium verlautet, dass Serge Dorny und Vladimir...