Handspiel: John Lundgren (Simone), Nikolai Schukoff (Guido Bardi) und Ausrine Stundyte (Bianca); Foto: Theater/Baus
Doch nach den Tränen kamen die Clowns
Ja, so kann Liebe klingen: deftig, deutlich, drastisch. Jedenfalls bei Richard Strauss, im «Rosenkavalier» von 1911. Sechs Jahre später findet der Komponist der Dringlichkeit einen Nachahmer: Alexander Zemlinsky. Gleich im ersten Takt der «Florentinischen Tragödie» setzt ein erotisches Peitschen ein, dass die Verschlingung zweier Körper mit glühendem Appassionato evoziert; heftig auffahrend, flackernd-fleischlich ist der Klang des Nederlands Philharmonisch Orkest unter dem energetischen Dirigat seines Chefdirigenten Marc Albrecht.
Doch hören wir die sexuelle Aufwallung in Amsterdam nicht nur: Wir sehen sie. Einander umklammernd wie wilde Schafe, fallen Ausrine Stundyte und Nikolai Schukoff leichtbekleidet übereinander her, verkeilen sich, kullern in triebhafter Umarmung, wollüstig-wechselnder Stellung über den Boden.
Da gibt es nur zwei Probleme in Amsterdam. Das eine ist der (von Bernd Purkrabek akribisch ausgeleuchtete) Ort des Schlingkampfes, ersonnen hat ihn Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt: ein fliegender rechteckiger Holzteppich, der sich immer wieder bedrohlich neigt. Das etwas größere Problem für Bianca und Guido Bardi ist, finster blickend, Biancas Gatte Simone (John ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
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