Lizenz zum Punk-sein
Nach dem mächtigen Impuls der letzten Spielzeit, als sich die Staatstheater in Karlsruhe, Meiningen und Schwerin der von Sturm, Meereswogen und menschlichen Leidenschaften durchbrausten dritten Oper von Ethel Smyth angenommen hatten, reüssieren «The Wreckers» nun ein weiteres Mal. Nicht aber im Deutsch der Leipziger Uraufführung von 1906, sondern, wie drei Jahre später in London praktiziert, auf Englisch.
Die regieführende Intendantin Kirsten Uttendorf setzt gegenüber den Vorgängerproduktionen neue Akzente, insbesondere was die Aufwertung der zweiten großen Frauenrolle anlangt: Avis.
Die selbstsüchtige Leuchturmwärterstochter billigt das Mörderhandwerk der übrigen Dörfler, welche – wie der Ortsklerus ihnen versichert – Gott wohlgefallen, wenn sie die Besatzungen der orientierungslos an den Klippen Cornwalls zerschellten Schiffe massakrieren, um die Zeugen ihrer Strandpiraterie zu beseitigen. Überdies stalkt Avis ihren früheren Geliebten Mark. Nun aber sind der Fischer und die Pastorengattin Thirza ein – wenn auch heimliches – Paar. Avis durchschaut den Ehebruch und trachtet, die Liebenden zu verderben.
Uttendorf rechtfertigt die egomane junge Frau nicht, möchte sie aber verstehen. ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 66
von Michael Kaminski
Leicht müsse man sein, «mit leichtem Herzen und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen …», singt die Feldmarschallin im ersten Aufzug des «Rosenkavaliers». Auch in der Heidelberger Inszenierung von Andrea Schwalbach ist Leichtigkeit das Schlüsselwort. Als «Komödie für Musik» haben der Komponist und sein Textdichter Hugo von Hofmannsthal das Stück...
Lauter schwierige Patienten», hieß mal eine Gesprächsreihe im Fernsehen des SWR, in der Marcel Reich-Ranicki gemeinsam mit Peter Voß schwer einsortierbare Autoren behandelte. Erich Kästner gehörte dazu, Inge -borg Bachmann, Golo Mann. Wäre es in dieser Sendereihe um Komponisten gegangen, hätte César Franck wohl einen festen Platz gehabt: ein Mann, der nahezu...
Alle reden immer vom Anfang, von jener mythisch überladenen Ursuppe, aus der heraus die Musik zu «Rheingold» erwächst, in erst zarten, dann imposant sich zu überirdischer Schönheit auftürmenden Es-Dur-Wellen emporsteigt. Dabei ist das Ende dieses Musikdramas, mit dem die ganze Götterdämmerung einsetzt (obwohl die Tetralogie ja erkennbar von uns Menschen handelt)...
