Lieben und lassen
Leicht müsse man sein, «mit leichtem Herzen und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen …», singt die Feldmarschallin im ersten Aufzug des «Rosenkavaliers». Auch in der Heidelberger Inszenierung von Andrea Schwalbach ist Leichtigkeit das Schlüsselwort. Als «Komödie für Musik» haben der Komponist und sein Textdichter Hugo von Hofmannsthal das Stück bezeichnet. Ein gewaltiges Understatement in Betracht der existenziellen philosophischen Dimension, die das Opernschwergewicht mit einer Spieldauer von mehr als vier Stunden entfaltet.
Ein Intrigenspiel nach bewährtem Muster von Beaumarchais und Molière, das auf zeitlose Weise vom Lieben, Loslassen und Abschiednehmen erzählt.
Das innere Drama einer Frau, die sich mit dem Älterwerden und der Vergänglichkeit auseinandersetzt, steht im Fokus vieler Inszenierungen. In Heidelberg legt das Regieteam den Schwerpunkt vor allem auf das Komödiantische. Als Reminiszenz an die Commedia dell’arte drängt sich in der Ouvertüre das Faktotum im Kostüm des Harlekins (hinreißend gespielt von Susanne Schyns) auf einem rosenroten Sofa zwischen die Feldmarschallin und Oktavian: das Liebesspiel mit Blicken und Gesten kommentierend, konspirativ, ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 68
von Silvia Adler
Jeder Takt überraschend. Keine Spur von Kitsch.» So urteilte Anton von Webern im Gedankenaustausch mit Arnold Schönberg über «La fanciulla del West». Puccini selbst wollte sich mit dieser Oper tatsächlich neu erfinden. Er war davon überzeugt, dass es eine zweite «Bohème» werden würde, nur «stärker, kühner und umfassender». Die New Yorker Met brachte das Stück 1910...
Das Kino hat die Oper beerbt. So zumindest sieht es der Regisseur Davide Livermore, der aus musikgestützten Bühnenwerken gern opulente Bühnen-Filme im Breitwandformat macht. Folgerichtig verwandelt sich Händels «Giulio Cesare» in einen Thriller à la «Tod auf dem Nil». Tolomeo ist monarchischer Eigner eines gleichnamigen Luxusdampfers aus den 1920er-Jahren, sprich:...
Die Insel war eines ihrer Lieblingsspiele. Alles was man sich nur wünschen und vorstellen konnte, gab es auf ihrer Insel. Manchmal glaubte Philip fast, daß sie wirklich existierte; dort war er der König und Ellen die Königin, und kein anderer durfte sie betreten – sie gehörte ihnen allein.» («Die verzauberte Stadt», Edith Nesbit 1858–1924)
Kinder denken oft in...
