Living la vida loca
Dolce vita mit Pizza ’Ndrangheta: In Hagen spielt eine französische Operette im italienischen Mafia-Milieu. Der Titelheld ist ein Gangster, sein Gegenspieler, König Bobèche, ein Emporkömmling aus der Halbwelt, mit einer frappierenden Ähnlichkeit zu Silvio Berlusconi. Der vielleicht schamloseste italienische Politiker der jüngeren Geschichte eignet sich gut als Inspirationsquelle für Gags und als Sinnbild des unfähigen Herrschers, den auch schon Offenbach in seinem «Barbe-Bleue» vorführen wollte.
Nur ist eben nichts so alt wie die Zeitung von gestern, geschweige denn die von vor über zehn Jahren, als «Bunga-Bunga» noch empört hat. Heikle Themen von heute stehen hier nicht auf der Karte. Berlusconi war ja auch Steigbügelhalter einer neofaschistischen Partei, die gegenwärtig in Italien die Ministerpräsidentin stellt. Diese politische Kiste lässt das Regieteam um Holger Potocki aber geschlossen. Dafür öffnet es tausend andere. Das szenische Tempo und ein hohes handwerkliches Können machen den Abend sehenswert.
Ritter Blaubart hat hier mit Offenbachs «Barbe-Bleue» ungefähr so viel zu tun wie die Operette mit dem Schauermärchen von Charles Perrault. Der Blaubart, den das geniale ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Anna Chernomordik
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Ein Fall für die Philologie: Allein drei Titel hat die letzte Oper der polyglotten englischen Komponistin Ethel Smyth: «Les Naufrageurs», «Strandrecht» und «The Wreckers». Französisch, weil dies die bevorzugte Dichtersprache des franko-amerikanischen Librettisten Henry Brewster, genannt Harry, war und Smyth an eine Uraufführung in London dachte, wo André Messager...
Im Plenarsaal des Deutschen Bundestages werden 16 Nonnen hingerichtet. Eine nach der anderen sinken sie zu Boden, darüber schwebt drohend der Bundesadler. Ein Ort, der vielen als Symbol der Rechtsstaatlichkeit gilt, wird zum Schauplatz des Terrors. Die ungeheuerliche Szene bringt die Befürchtungen auf den Punkt, die Regisseur Paul Georg-Dittrich und sein Team für...
