Living la vida loca
Dolce vita mit Pizza ’Ndrangheta: In Hagen spielt eine französische Operette im italienischen Mafia-Milieu. Der Titelheld ist ein Gangster, sein Gegenspieler, König Bobèche, ein Emporkömmling aus der Halbwelt, mit einer frappierenden Ähnlichkeit zu Silvio Berlusconi. Der vielleicht schamloseste italienische Politiker der jüngeren Geschichte eignet sich gut als Inspirationsquelle für Gags und als Sinnbild des unfähigen Herrschers, den auch schon Offenbach in seinem «Barbe-Bleue» vorführen wollte.
Nur ist eben nichts so alt wie die Zeitung von gestern, geschweige denn die von vor über zehn Jahren, als «Bunga-Bunga» noch empört hat. Heikle Themen von heute stehen hier nicht auf der Karte. Berlusconi war ja auch Steigbügelhalter einer neofaschistischen Partei, die gegenwärtig in Italien die Ministerpräsidentin stellt. Diese politische Kiste lässt das Regieteam um Holger Potocki aber geschlossen. Dafür öffnet es tausend andere. Das szenische Tempo und ein hohes handwerkliches Können machen den Abend sehenswert.
Ritter Blaubart hat hier mit Offenbachs «Barbe-Bleue» ungefähr so viel zu tun wie die Operette mit dem Schauermärchen von Charles Perrault. Der Blaubart, den das geniale ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Anna Chernomordik
Tutto nel mondo è burla? Was, zumindest in Teilen, für Verdis weisen «Falstaff» gilt, trifft auf die meisten veristischen Opern, die danach komponiert wurden, kaum zu. Das Leben ist kein Vergnügen, es ist Kampf und Krampf, zuweilen zorndurchglüht und zynisch, kurz: eine existenzielle Erfahrung und nicht immer die allerbeste. Das Lachen dient nur als Fassade für die...
Donizetti als Liedmeister? Einige seiner Romanzen erfreuen sich seit Langem einer gewissen Beliebtheit, vor allem als Zugaben in Solokonzerten. Aber wer hätte gedacht, dass sich von dem genau zehn Monate vor Schubert geborenen Komponisten um die 180 Lieder für Singstimme und Klavier erhalten haben – Duette und Terzette nicht mitgezählt. So kann man Opera Rara zu...
Die Dämonen sind da. Oben und unten. Oben, von den Rängen, erschallen aus verborgenen Lautsprechern die (sechs) Stimmen derjenigen, deren einziges Ziel es ist, wilde Spekulationen zu verbreiten, und ihn, den Virtuosen, an den Pranger zu stellen. Unten, aus den Lamellen zur Linken wie zur Rechten sowie von der Hinterbühne, fliegen Tänzerinnen und Tänzer als seine...
