Liebesverbote

Vasily Barkhatov erzählt am MusikTheater an der Wien seine persönliche Geschichte von Verdis «Stiffelio», Ersan Mondtag verhebt sich an der Staatsoper gewaltig an Bizets Musikdrama «Les Pêcheurs de perles»

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Es ist Frühling in Wien, und sowohl im MusikTheater an der Wien wie an der Staatsoper spielen sie, es mag ein Zufall sein oder doch ein Zeitzeichen, Stücke von Entsagung und Vergebung. Meist geht es ja anders; wo die Oper des 19. Jahrhunderts Ehrensachen berührt, da gibt es eher keine Gnade.

Der Vergebungschoral, wie er am Ende von Verdis «Stiffelio» ein monumentales «perdonata» der Welt entgegenruft, im altehrwürdigen Theater an der Wien vom famosen Arnold Schoen -berg Chor und mit Orgel, Pauken und Trompete, macht ja nicht vergessen, wie schwer das Vergeben ist, weil die Welt ist, wie sie ist. Man möchte sich am liebsten eine andere, bessere wünschen, so wie die kleine Anderswelt einer protestantischen Sekte, in der Verdis Ehedrama spielt. Die im Text von Francesco Maria Piave auf eine französische Kolportage sogenannten «Ahasverianer» sind reine Erfindung. Vasily Barkhatov liest sie als Amish People, für deren Heilserwartung alle irdische Zukunft im 17. Jahrhundert stehen geblieben ist. Barkhatov ist einmal mehr ein kreativer Vorgeschichtenerfinder. Vor allem Stiffelio, der geistliche Führer der Gemeinde, hat eine; im Libretto wird sie nur angedeutet: Er musste vor bösen Feinden ...

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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Holger Noltze

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