Liebesopfer
Die Oper als «Kraftwerk der Gefühle», als welche Alexander Kluge sie so treffend bezeichnet hat, war immer schon ein Kampfplatz der Geschlechter. In den aktuellen Debatten über Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und Gender stellen sich viele Fragen zu den Themen des Genres Oper noch einmal ganz neu.
Die Literaturwissenschaftlerin, Romanistin und Modetheoretikerin Barbara Vinken befragt in ihrem Buch «Diva – Eine etwas andere Opernverführerin» nun zentrale Werke des Opernrepertoires nach Geschlechterkonzeptionen und Klischees und analysiert ihre Frauenfiguren auf durchaus eigenwillige, aber erhellende Weise.
Da ist zum Beispiel die Königin der Nacht aus Mozarts «Zauberflöte», jene kalte, rachsüchtige Mutter und Gegenspielerin des humanistisch gesinnten Sarastro. Für Vinken verweist diese rätselhafte Figur zurück auf die barocke Seria-Oper; deren hoch virtuosen Gesang versteht sie als bewusstes Zitat der damals schon aus der Mode kommenden Tradition des Kastratengesangs. «Die strahlenden Koloratur-Arien der Königin singen mit machtvollem Kastratensopran sämtliche männerbündischen Bässe in Grund und Boden. Alle behauptete Natürlichkeit und ganze Männlichkeit geht damit den Bach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 37
von Regine Müller
Man muss nicht zwingend ein Buddhist sein, um den tieferen Charme dieses Satzes zu begreifen, seine gerade auf die Defizite der westlichen Spätmoderne anwendbare weltanschauliche Evidenz: «Der Weg ist das Ziel.» Bei der Premiere von Messiaens Musiktheater «Saint François d’Assise» Ende September 2002 an der San Francisco Opera wurde das philosophische Bonmot zu...
Von diesem Bühnenwerk bekam wohl jeder Musikmensch in der damaligen DDR etwas mit. Frank Schneider, ehemaliger Intendant des Berliner Konzerthauses, bezeichnete es erst vor einigen Monaten rückblickend als wichtige Wegmarke der Geschichte politischen Musiktheaters im deutschsprachigen Raum – und empfahl das Werk jungen Menschen als hervorragenden Einstieg in die...
Herr Gago, wie wird man Opern-Übersetzer?
Ich übersetze eigentlich hauptsächlich Literatur – zum Beispiel alle Bücher des New Yorker Musikpublizisten Alex Ross. Was die Opern-«Karriere» angeht, habe ich viel Glück gehabt und war oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Als die CD kam, übersetzte ich Hunderte von Booklets, mit Aufkommen der DVD dann zahllose...
