Liebe zum Leben
Es könnte ein Raum sein, den Anna Viebrock in die Welt gesetzt hat. Ein Wartesaal, womöglich ein schlossähnliches Gebäude. Ein milchiges Fenster. Fotos einer schönen Frau. Und jede Menge Stühle. Links ein Hügel aus dunkelbraunem Sand. Aber davor die Todesgrube, gebuddelt im göttlichen Auftrag, bestimmt für Eurydike.
Mittendrin in dieser Stätte des Todes, die Harald Thor ersonnen hat, zwei Tänzer, ein junger Mann, eine junge Frau (beeindruckend ausdrucksstark: Paul und Julia Zeplichal) sowie der mythische Sänger: Orpheus, der Thrakier, dessen Musik die Idee von der Welt verändern konnte, und der jetzt hier sitzt, in einem schwarzen Anzug, und die Welt nicht mehr versteht, weil ihm seine Liebe entwunden wurde. Orpheus, den Ulrike Mayer famos spielt und meist auch famos singt (einige Töne rutschen ihr aus der Spur, einige sind nur angeschliffen), aber weiß es noch nicht. Sitzt da, trinkt Absinth, erfährt die grauenvolle Nachricht auf seltsamem Weg. Schweigend. Getanzt. Das Orchester wartet im Graben, zehn Minuten lang, vielleicht sogar eine Viertelstunde, man vergisst die Zeit, wenn jemand stirbt. Die ganze Trauer liegt in diesem Beginn, das ganze Schaudern, das der Tod ...
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Es ist mir noch wie gestern, dass 1958 ein blond gelockter junger Mann unser Haus betrat und mich mit seinem Klavierspiel samt souveränem Vom-Blatt-Lesen verblüffte. Ich hatte mich nach einem Korrepetitor umgesehen, und mein Lehrer Hermann Weißenborn gab Ariberts stets aufmerksamer Mutter Irmgard Reimann den Rat, es doch einmal mit mir zu versuchen. Aber was ich...
Die Schlachten waren längst geschlagen, und in Erinnerung blieben die Momente der Überwältigung. «Ja, so ein sieghaftes hohes C, wie’s die Mali gehabt hat, bleibt in Herz und Ohr», schrieb Hans Richter, der erste «Ring»-Dirigent, an Amalie Materna, Wagners Brünnhilde von 1876. Der Brief stammt aus dem Jahr 1911. Da hatte Materna ihre Karriere schon fast zwanzig...
Wenn Zürich jetzt Händels «Orlando» von 1733 herausgebracht hat, wünscht man sich, dass Alexander Pereira die beiden anderen Händel-Opern nach Ariost, nämlich «Ariodante» (1734) und als Wiederaufnahme «Alcina» (1735) folgen lassen möge, um alle drei dann zu einer Trilogie zusammenzuschließen (nach dem Vorbild der Zürcher römischen «Kaiser»-Trilogie mit Monteverdis...
