Mozart von hinten
Hätten Sie erraten, mit welcher Oper Cagliari zur Saisoneröffnung den Jahresregenten Mozart feiert? Unwahrscheinlich. Es ist eine italienische Erstaufführung: der «Chérubin» von Jules Massenet, uraufgeführt 1905 in der Opéra von Monte Carlo. Eine verdienstvolle Ausgrabung, zumal in einer so guten und witzigen Wiedergabe.
Es ist eine Mozart-Ehrung von hinten (analog zu Schönbergs berühmtem Selbstporträt).
Wer erinnert sich nicht an den halbwüchsigen «Farfallone amoroso», den Figaro in seiner ironischen Arie verhöhnt, weil er allen, von der kleinen Barbarina über Figaros Braut Susanna bis zur gräflichen Patin, den Hof macht? Bei Mozart und Da Ponte verkörpert er die jugendlich bedenkenlose Spielart der Liebe. In der Trilogie von Beaumarchais («Le Barbier de Seville», «Le mariage de Figaro», «La Mère coupable»), viel aggressiver als Rossini und Mozart zusammen, taucht noch einmal die Erinnerung an den amourösen Pagen auf. In «La Mère coupable» (die schuldige Mutter) liest der Graf seinen Abschiedsbrief: Cherubino/Chérubin hat sich nach der Geburt des illegitimen Sohns, den er mit der Gräfin gezeugt hat, umgebracht. Die Frage stellte sich: Was geschah mit Cherubino nach der ...
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Kaum vorstellbar: eine Aufführung des «Figaro» mit deutschen Dialogen oder die «Entführung» mit Secco-Rezitativen auf Italienisch. Im Falle von Mozarts «La finta giardiniera» gibt es extreme Fassungsunterschiede: Für Augsburg (1780) hat Mozart das Stück als Singspiel mit gesprochenen deutschen Texten autorisiert. Dass beide Versionen freilich nur zwei Seiten...
Es sind minus siebenundzwanzig Grad in Helsinki, der Schnee fällt schnell und schwer. Lange hält’s keiner draußen aus, schon gar nicht in Abendkleidung. Weil die Schneeberge empfindliches Schuhwerk ruinieren würden, hat die Nationaloper vorgesorgt: Schuhtaschen für jeden! An der Garderobe sitzen, hocken, stehen also rund zwölfhundert Menschen, um die Schuhe zu...
Von ihrer Dramaturgie her kann der «Salome»-Neuinszenierung des Mannheimer Nationaltheaters ohne weiteres zugestimmt werden. Gabriele Rech überfrachtet die Vorlage nicht durch weit hergeholte Assoziationen. Zentraler Ansatzpunkt: Die Titelfigur ist kein sexbesessenes männermordendes Ungeheuer. Im Text ist bekanntlich keine Rede vom sadistischen Monster, und die...
