Grenzgänge

Saimir Pirgu versucht sich an Puccini, Cilea, Leoncavallo und Wagner

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Einige Zeit ist das her, 16 Jahre genau, als er vom Dirigenten ständig ausgebremst wurde. Zu viel Dampf, zu viel Dezibel: Nikolaus Harnoncourt musste sich mit seinem Idomeneo-Sänger bei der Grazer Styriarte erst ins Benehmen setzen, wie er einmal im persönlichen Gespräch erzählte. Das Ergebnis gab dem (damals auch inszenierenden) Maestro Recht: Ein Kreter-König mit ungewohnten Zwischentönen, sehr lyrisch, durchdrungen von einem inneren Beben, wie auf dem Sprung, so klang Saimir Pirgu damals.

Über Mozart, Belcanto und den lyrischen Verdi hat sich der Sänger inzwischen vorgearbeitet und ist den Weg fast aller Kollegen gegangen: im Visier Puccini, am liebsten gleich Verismo. «Saimir», seine aktuelle CD, ist daher Visitenkarte und Standortbestimmung. Von Cavaradossi über Des Grieux, Pinkerton, Andrea Chénier bis Calaf finden sich die üblichen Verdächtigen. Aber auch Preziosen wie Leoncavallos Chatterton oder ein Gruß aus Pirgus albanischer Heimat, der von Prenk Jakova (1917–1969) ins Opernlicht geholte albanische Nationalheld Skanderbeg. Gerade dieser Nebenweg ehrt Pirgu. Auch die kleine Stichstraße zu Wagners Lohengrin.

An der Gralserzählung zeigt sich exemplarisch Pirgus Gesang, der ...

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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Medien, Seite 29
von Markus Thiel

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