Enttäuschend
Im «Idomeneo» messe Mozart in einer «der aufregendsten Partituren des 18. Jahrhunderts (…) die Extreme menschlicher Emotionen aus», liest man im Editorial des Programmhefts der Stuttgarter Neuinszenierung. Auf der Bühne allerdings ist von diesem radikalen Gesellschaftsentwurf und seinen aufklärerisch-dialektischen Energien nichts zu sehen. Es herrscht bleierne Langeweile – ein emotionsloses Grau-in-Grau gepflegter Belanglosigkeit, das einen die Abgründe der Figuren nicht einmal erahnen lässt.
Mozarts revolutionäre Dramaturgie zeigt die Menschen als Opfer von Krieg und Gewalt, als Spielball von Macht und Willkür. Sämtlich sind sie Traumatisierte eines Psychodramas, das den Vater-Sohn-Konflikt zum Menetekel einer sich selbst zerstörenden Zivilisation weitet, trotz des lieto fine. Gerade darin zeichnet sich ja schon im «Idomeneo» und nicht erst in der «Zauberflöte» die Krise der Aufklärung ab.
Bastian Kraft, dem Stuttgart eine glänzende Inszenierung von Dvořáks «Rusalka» verdankt, unterschlägt das pessimistische Lehrstück, verzichtet auf verstörende Bilder, ja Gewalt überhaupt und setzt die Figuren wie emotionslose Puppen in den leeren, nach hinten durch spiegelnde Folien ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert
Kölner Opernproduktionen stemmen sich seit dem Auszug vom Offenbachplatz gegen die Not der Interims-Spielstätten. Im Staatenhaus funktionierte das recht gut, wenn die räumliche Charakteristik des Provisoriums mitgedacht wurde. Die nun angelaufene Spielzeit wurde von Intendant Hein Mulders jedoch in der als gesichert geltenden Annahme geplant, wieder an alter...
Italienerinnen und Italiener haben ein gespaltenes Verhältnis zum Wasser. Zwar verbringen sie ihre Ferien am liebsten am Strand – doch schwimmen gehen sie kaum. Die Allermeisten wagen sich höchstens bis zur Hüfte ins Meer. Dort telefonieren sie dann ausgiebig, manchmal plaudern sie auch mit real anwesenden Mitmenschen. Junge Leute werfen sich, im Kreis stehend,...
Erfindungsreich ist der Mensch, wo es darum geht, anderen Menschen Schmerz zuzufügen. Unüberschaubar ist das Arsenal der dazu ersonnenen Instrumente. Einige davon, oder zumindest deren kreative Ableitungen, platziert Romeo Castellucci im strengen White Cube-Rahmen seines Amsterdamer Pasticcios. Ein Balken, um nackt rittlings darauf Stromstöße zu empfangen, ein...
