Enttäuschend
Im «Idomeneo» messe Mozart in einer «der aufregendsten Partituren des 18. Jahrhunderts (…) die Extreme menschlicher Emotionen aus», liest man im Editorial des Programmhefts der Stuttgarter Neuinszenierung. Auf der Bühne allerdings ist von diesem radikalen Gesellschaftsentwurf und seinen aufklärerisch-dialektischen Energien nichts zu sehen. Es herrscht bleierne Langeweile – ein emotionsloses Grau-in-Grau gepflegter Belanglosigkeit, das einen die Abgründe der Figuren nicht einmal erahnen lässt.
Mozarts revolutionäre Dramaturgie zeigt die Menschen als Opfer von Krieg und Gewalt, als Spielball von Macht und Willkür. Sämtlich sind sie Traumatisierte eines Psychodramas, das den Vater-Sohn-Konflikt zum Menetekel einer sich selbst zerstörenden Zivilisation weitet, trotz des lieto fine. Gerade darin zeichnet sich ja schon im «Idomeneo» und nicht erst in der «Zauberflöte» die Krise der Aufklärung ab.
Bastian Kraft, dem Stuttgart eine glänzende Inszenierung von Dvořáks «Rusalka» verdankt, unterschlägt das pessimistische Lehrstück, verzichtet auf verstörende Bilder, ja Gewalt überhaupt und setzt die Figuren wie emotionslose Puppen in den leeren, nach hinten durch spiegelnde Folien ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert
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