Liebe deine Figuren wie dich selbst

Der Film- und Theaterregisseur Andreas Dresen gibt in Basel sein Operndebüt mit «Don Giovanni» und erläutert im Gespräch seinen Zugang

Opernwelt - Logo

Zum Heulen komisch», titelte die Neue Zürcher Zeitung, als An­dreas Dresens letzter Film «Sommer vorm Balkon» in den Schweizer Kinos anlief. «Abgründiges Glück» – auf diese Formel ließe sich nun seine ­Baseler «Don Giovanni»-Inszenierung bringen. An paradoxen Wendungen kommt offenbar nicht vorbei, wer sich auf das fiktive Personal und die Prinzi­pien des Dresen’schen Sozialkosmos einlässt. Der wichtigste Grundsatz: Liebe deine Figuren wie dich selbst.

Wenn etwa Uwe, der rus­tikale Kioskbetreiber aus «Halbe Treppe» (2002), und die Parfümverkäuferin Ellen in einer Plattensiedlung zu Frankfurt an der Oder nach einem entflogenen Wellensittich namens Hans-Peter suchen oder der Taxifahrer Peschke aus «Nachtgestalten» (1999) das trübe Grau vom Berliner Himmel he­runterflucht, als er ein dunkelhäutiges Findelkind in seinem Auto findet, stellt Dresen mit sensibler Empathie Menschen vor, die sich durch den ganzen normalen Wahnsinn am Rande der Gesellschaft schlagen. Dass ein wahres ­Leben in jedem falschen steckt – diese Überzeugung ist sozusagen die Zentralperspektive, die Ästhetik und Dramaturgie seiner Arbeit strukturiert. Nun auch auf der Opernbühne.
Über jede der in «Don Giovanni» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nicht Heine, Nicht Freud: Wagner!

Auf den Tischen im Coburger Theater-Büffet stehen Glasvasen mit orangefarbenen Tul­pen. Und an jeder Blume baumelt ein gelbes Schiffchen aus Papier. Für das Haus im fränkischen Norden ist die Premiere des «Fliegenden Holländer» ein Großereignis – da gibt man sich Mühe. Die Firma Brose (Fahrzeugteile) unterstützt das Not leidende Theater beim Engagement der...

Lortzing: Undine

Noch vor vierzig Jahren hätte sich kein Opernfreund vorstellen können, dass eine Produktion von Lortzings «Undine» einmal unter die Rubrik «Ausgrabung» fallen würde. Aber inzwischen ist das einst so beliebte Werk derart gründlich von der Opernbühne verschwunden, dass man für das vergangene Jahrzehnt nicht einmal auf fünf Auffüh­run­gen an deutschen Theatern kommt....

Solo für eine Unberührbare

Hofmannsthals «Arabella» ist aus dem Stoff, aus dem man auch gute Hollywood-Filme macht. George Cukor hätte das mit der jungen Ingrid Bergman geschmackvoll inszeniert, und der alte Richard Strauss selbst wäre sich sicher nicht zu gut gewesen, den Sound­­track dazu zu liefern. Es ist also gar nichts dagegen einzuwenden, dass Alexander von Pfeil bei seiner...