Liebe bis in den Tod
In Freundschaft» lautet das Motto der diesjährigen Musikfestspiele Potsdam. Freundschaftlich verbunden sind sich auch die Helden in Marc-Antoine Charpentiers szenischem Oratorium «David et Jonathas», einer Koproduktion mit der Opéra Royale de Versailles. David, furchtloser Bezwinger des Riesen Goliath, und Königssohn Jonathas gehören verfeindeten Lagern an – den Israeliten auf der einen, den Philistern auf der anderen Seite. Es kommt, wie es kommen muss: Die Freunde sind gezwungen, gegeneinander in den Krieg zu ziehen, am Ende stirbt Jonathas in Davids Armen.
Aufgeführt wird das biblische Drama passenderweise in der Potsdamer Erlöserkirche.
David in goldener Uniform und schicken Wildlederstiefeln ist ein Bild von einem Mann, da sind sich alle einig: «Seiner Ausstrahlung sah man noch mehr Männer erliegen, als sein Arm umwarf», schwärmt sein Gefolge. Doch David will allein von Jonathas geliebt werden: «Darf ich hoffen, dich noch treu zu finden?», befragt er ihn ängstlich. Angesichts solcher Leidenschaft lässt sich in die Männerfreundschaft der beiden durchaus eine erotische Note hineinlesen. Überhaupt könnte man zu Recht fragen, ob es sich bei König Saul (David Witczak), der David ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anna Schors
Der Versuch des Theaters Osnabrück, Jaromír Weinbergers vergessene Oper über Wallenstein, den bekanntesten Heerführer des Dreißigjährigen Krieges, für die Bühne zurückzugewinnen, besaß zwei starke Momente – den schockhaften Beginn und das quälende Ende. Den Anfang setzt nicht die Musik, sondern unter ohrenbetäubendem Sirenenalarm ein optisches Zitat – die «stumme...
Kein Zweifel ist möglich: Dieser Pinkerton strahlt die Präpotenz von Macht und Geld mit jeder Pore seines Seins aus. Seine Untergebenen der Marine maßregelt er knapp jenseits der Grenze der Erniedrigung, die Kopie des über den Heiratsvermittler Goro (Yannis Kalyvas) abgegebenen Eheversprechens zerreißt er direkt nach der Unterschrift in kleine Schnipsel, Suzukis...
Seit der Antike weiß man es: «Habent sua fata libelli» – Bücher haben ihr Schicksal. Ein Schicksal haben auch Opern. Und selten ein gutes, wenn sie berühmten Büchern folgen. Als Lorin Maazels «1984» vor 18 Jahren an Londons Covent Garden uraufgeführt wurde, fielen die Kritiken ungnädig aus. Man stieß sich an U-musikalischen Einsprengseln, daran, dass die Oper nicht...
