Liebe bis in den Tod
In Freundschaft» lautet das Motto der diesjährigen Musikfestspiele Potsdam. Freundschaftlich verbunden sind sich auch die Helden in Marc-Antoine Charpentiers szenischem Oratorium «David et Jonathas», einer Koproduktion mit der Opéra Royale de Versailles. David, furchtloser Bezwinger des Riesen Goliath, und Königssohn Jonathas gehören verfeindeten Lagern an – den Israeliten auf der einen, den Philistern auf der anderen Seite. Es kommt, wie es kommen muss: Die Freunde sind gezwungen, gegeneinander in den Krieg zu ziehen, am Ende stirbt Jonathas in Davids Armen.
Aufgeführt wird das biblische Drama passenderweise in der Potsdamer Erlöserkirche.
David in goldener Uniform und schicken Wildlederstiefeln ist ein Bild von einem Mann, da sind sich alle einig: «Seiner Ausstrahlung sah man noch mehr Männer erliegen, als sein Arm umwarf», schwärmt sein Gefolge. Doch David will allein von Jonathas geliebt werden: «Darf ich hoffen, dich noch treu zu finden?», befragt er ihn ängstlich. Angesichts solcher Leidenschaft lässt sich in die Männerfreundschaft der beiden durchaus eine erotische Note hineinlesen. Überhaupt könnte man zu Recht fragen, ob es sich bei König Saul (David Witczak), der David ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anna Schors
Ich kann die Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt. Mehr! Mehr! Ich bitte dich.» Nur zu gerne möchte man sich der schwärmerischen Emphase des Höflings Jacques aus William Shakespeares Lustspiel «Wie es euch gefällt» anschließen, wenn man das erste Solo-Album des jungen englischen Countertenors Alexander Chance hört. Fast anzunehmen, dass...
Gut sieht sie aus, die «alte Frau», wie sie da aus der Tür des Riesenkarpfens, der (auch) ein Haus darstellt, heraustritt, neugierig, wer da wohl geklopft hat. Eine Dame, könnte man meinen. Doch schon die ersten Worte und Töne verwandeln dieses wunderliche Wesen in ein keifendes Weib, das den beiden Menschen, die frierend und zitternd vor ihr stehen – in größter...
Antonio Pappano hat es im Kontext zu seiner aktuellen «Turandot»-Einspielung sehr richtig beschrieben: Mögen Franco Alfanos Ergänzungen von Giacomo Puccinis unvollendeter Oper auch stilistisch nicht ideal sein – sie sollten nicht gekürzt werden. Denn das «Schmelzen der Eisprinzessin» bedarf dieser musikalischen Ausdehnung, um annähernd nachvollziehbar zu sein.
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