Weichet, betrübte Schatten
Über Händels Humor ist nicht allzu viel bekannt. Dass er ihn angesichts der logistischen Schwierigkeiten im Londoner Opernleben seiner Zeit gehabt haben muss, das hingegen steht außer Zweifel.
Richtig schlimm wurde es für den komponierenden Impresario (oder, je nach Blickwinkel: den geschäftsführenden Komponisten) in den 1730er-Jahren, als die Konkurrenz, die unter dem aristokratischen Namen «Opera of the Nobility» firmierte, alles daran setzte, sämtliche Stars und Sternchen (will sagen: die berühmtesten Kastraten der Zeit) abzuwerben, die zuvor bei Händel unter Vertrag gewesen waren. Vier Jahre lang, von 1733 bis 1737, tobte der Kampf, dann hatten ihn beide verloren. Die Opera seria in good old England war am Ende, Händel wandte sich dem Oratorium zu.
Vorher aber schrieb er noch eine Oper auf ein heiter-melancholisches Sujet, die in den Ohren manches Betrachters sogar als Vorstufe zur Buffa gilt: «Serse» hieß das schöne Stück, uraufgeführt wurde es am 15. April 1738 im von Händel zurückeroberten King’s Theatre. Der (den Usancen der Epoche entsprechend ausnahmslos italienische) Uraufführungs-Cast liest sich wie das Who’s Who der quirligen Opernszene an der Themse: Die Titelpartie ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Jürgen Otten
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