Glotzt nicht so romantisch
«Der junge Lord», das Produkt engster und einvernehmlichster Zusammenarbeit des Komponisten Hans Werner Henze und der Dichterin Ingeborg Bachmann, ist ein vertracktes Stück: Es bietet eine gut geölte Komödienmaschinerie mit scharf umrissenen Typen und eine effektvolle, raffiniert instrumentierte Musik, die als moderne Reinterpretation klassischer Topoi der komischen Oper daherkommt, Ausflüge in die Tonalität und augenzwinkernde (Beinahe-)Zitate eingeschlossen.
Doch diese nur scheinbar «liebenswürdige» Außenseite verbirgt Abgründe: Die biedermeierliche Gesellschaft, die einem Betrüger auf den Leim geht, der ihr einen dressierten Affen als exzentrischen Jung-Adligen verkauft – sie wird zwar in ihrer Borniertheit entlarvt, in ihrem Lebenshunger aber auch ganz ernst genommen. Die Not der Nachkriegsjahre hat hier ihre Spuren hinterlassen: Die endemische Sehnsucht nach ein bisschen Glanz und Farbe im tristen Leben hatten Henze und Bachmann schließlich selbst erlebt, und beide waren vor der erstickenden Konventionalität des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland nach Italien geflohen. Unterdessen schickte sich die Kulturindustrie an, alle denkbaren Bedürfnisse mit Surrogaten zu ...
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Franco Zeffirellis «Carmen»-Inszenierung aufs Korn zu nehmen, ist wie aufs Rote Kreuz zu schießen. Seit die Produktion 1995 herauskam, hat sie mit ihrer läppischen Betriebsamkeit – es treten lebende Tiere, Flamencotänzer, Toreros und jede Menge buntes Volk auf – immer wieder für spöttische Bemerkungen (nicht nur der Kritik) gesorgt. Vor der handwerklichen...
In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen...
Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
