Glotzt nicht so romantisch
«Der junge Lord», das Produkt engster und einvernehmlichster Zusammenarbeit des Komponisten Hans Werner Henze und der Dichterin Ingeborg Bachmann, ist ein vertracktes Stück: Es bietet eine gut geölte Komödienmaschinerie mit scharf umrissenen Typen und eine effektvolle, raffiniert instrumentierte Musik, die als moderne Reinterpretation klassischer Topoi der komischen Oper daherkommt, Ausflüge in die Tonalität und augenzwinkernde (Beinahe-)Zitate eingeschlossen.
Doch diese nur scheinbar «liebenswürdige» Außenseite verbirgt Abgründe: Die biedermeierliche Gesellschaft, die einem Betrüger auf den Leim geht, der ihr einen dressierten Affen als exzentrischen Jung-Adligen verkauft – sie wird zwar in ihrer Borniertheit entlarvt, in ihrem Lebenshunger aber auch ganz ernst genommen. Die Not der Nachkriegsjahre hat hier ihre Spuren hinterlassen: Die endemische Sehnsucht nach ein bisschen Glanz und Farbe im tristen Leben hatten Henze und Bachmann schließlich selbst erlebt, und beide waren vor der erstickenden Konventionalität des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland nach Italien geflohen. Unterdessen schickte sich die Kulturindustrie an, alle denkbaren Bedürfnisse mit Surrogaten zu ...
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Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit Carl H. Hiller in dieser Zeitschrift mit einem monografischen Essay auf den wohl bedeutendsten polnischen Komponisten nach Chopin aufmerksam machte (siehe OW 1/1983): Karol Szymanowski. Damals kannten allenfalls ein paar Connaisseurs das umfangreiche Œuvre des eigensinnigen Ästheten, der zeit seines viel zu...
Eine Komplilation mit vielen alten Bekannten. EMI hat aus den Katalogen ein paar Höhepunkte zusammengesucht, Mittelmaß ist auch dabei. Vor allem fragt man sich, nach welchen Prinzipien die Nummern aus einzelnen Opern ausgewählt wurden.
Natürlich steht Fritz Busch am Anfang. Von seinen frühen (1934/35) und späteren Aufnahmen (1950/51) gibt es repräsentative Auszüge....
Sollte die Musikgeschichtsschreibung ein Genie übersehen haben? Domènec Terradellas wurde 1713 in Barcelona geboren und starb 38 Jahre später in Rom. Seine dreiaktige Metastasio-Oper «Artaserse», 1744 für Venedigs Teatro San Grisostomo komponiert, lässt gleich mit ihrer Eingangsarie aufhorchen. Überrascht vernimmt man in Melodieführung, Harmoniebildung und...
