Leinen los!
Bis zum Frühjahr 2021 findet hier nichts mehr statt außer harter Arbeit hinter den Kulissen. Für elf Millionen Euro wird die Bühnenmaschinerie des Altenburger Theaters erneuert, der Orchestergraben vergrößert, ein Fahrstuhl angebaut. Der Spielbetrieb soll in einem Vier-Mast-Zelt auf dem Festplatz weiterlaufen. Doch erst mal ist das 1871 erbaute Haus in einem Mitmach-Stück von Wilhelm Dieter Siebert spektakulär untergegangen – als Titanic, samt Publikum, das hier die Passagiere 2. Klasse stellt. Die warten draußen vor den Gangways, die zum Eingang führen.
Man hört Möwengeschrei und Schiffstuten. Dann bahnt sich die Holzklasse ihren Weg, Koffer schwingend, Hüte werfend, vorfreudvoll «Hupp-Dideldudeldidel-Huppsassa, wir fahren nach Amerika!» singend. Aber Platz da, die Kutsche kommt – die Damen mit Federn am Hut, totem Tier über der Schulter oder lebendigem an der Leine; die Herren im Gehrock, Zylinder auf dem Kopf, Bartkunst im Gesicht. Klar, das ist die 1. Klasse.
Die mitwirkenden Zuschauer sitzen schließlich auf der Bühne, verfolgen das Treiben der Privilegierten im Parkett unter dem Kronleuchter, der bemalten Decke. So genial wie einfach wird auch das Haus zum Protagonisten. Es ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Nora Sophie Kienast
Frau Oropesa, Sie haben mit 25 das Lindemann Young Artist Development Program der Metropolitan Opera in New York abgeschlossen. Macht es das Sängerleben leichter oder schwieriger, wenn man gleich an der Met einsteigt?
Es macht es schwierig, weil man sofort schwimmen muss. Man hat keine Zeit, erst mal die Zehen ins Wasser zu strecken. Entweder du bleibst oben oder...
Es gibt diese Abende, von denen zu erzählen spannender ist als sie selbst. Die neue Münchner «Salome» ist so ein Abend. Im Programmheft steht ein glänzend redigiertes Interview mit dem Regisseur Krzysztof Warlikowski. Überhaupt ist dieses Programmheft – zusammengestellt von den Dramaturgen Miron Hakenbeck und Malte Krasting – ein Muster an Sorgfalt in Text und...
Diesem Mann ist nicht zu helfen. Während seine einstige Liebe Stella im Theater singt, sehen wir den erfolglosen Dichter Hoffmann im Bistro nebenan, hin- und hergerissen zwischen Schreiben und Trinken. Um ihn herum stapeln sich die getippten Manuskriptseiten, aus dem Off erklingen die Geister des Bieres und des Weins, bis er schließlich betrunken am Boden liegt....
