Realgroteske
Als Violetta sich am Ende ihrer Vergangenheit erinnert, zieht im hörbaren Hintergrund ein Karnevalszug vorbei: «Addio del passato». Es ist eine treffliche Pointe, dass uns Katharina Gault die im Schlussbild von «La traviata» unsichtbare Spaßgesellschaft vorab in den beiden großen Massenszenen der Oper in farbenprächtiger Deutlichkeit vor Augen führt – als entfesselt agierendes Kollektiv weiß gepuderter, clownesk grell geschminkter, bitterböser Witzfiguren. Die Kostümbildnerin hat sie librettokonform in Roben des 19.
Jahrhunderts gesteckt, der Spiel- wie Entstehungszeit des Stücks: In einem Pariser Privatpuff wird in perfektem Einvernehmen mit Verdis aggressiv akzentuierten Sechzehntel-Ketten kopuliert. Dazu hat die Hauptattraktion des Themenbordells bereits während des Vorspiels ihre Kundschaft animiert, vernehmlich aus der Dusche im Off stöhnend. Jetzt geht’s im großen Stil zur Sache. «Adesso siamo riscaldati», heißt es auf der Party, will sagen: Nun sind wir alle auf Betriebstemperatur.
Doch Violetta Valéry will ausbrechen aus der Prostitution, sucht ein bisschen richtiges Leben im falschen, trifft den Romantiker Alfredo, mit dem sie statt der «pompose feste» in ihrem Palais ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause
Dem Teufel von der Schippe zu springen, das war in alten Zeiten nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Wer sich einmal mit ihm eingelassen hatte, dessen Seele war unrettbar verloren. Aber dann gab es da ein gewisses «Marijken van Nieumeghen», von dessen Schicksal ein niederländisches Mysterienspiel aus dem frühen 16. Jahrhundert erzählt. Das zunächst tugendhafte...
Als der Beifall im Osnabrücker Theater verklungen war, fragte man sich ungläubig: Dieser Komponist sollte vergessen, seine Oper «Guercœur» unbekannt und seit der postumen Uraufführung 1931 nie wieder gespielt worden sein? Gewiss, Albéric Magnard (1865-1914) war der Querkopf und Einzelgänger unter den französischen Musikern seiner Zeit, keiner Schule zugehörig,...
Magdalena Kožená begann ihre Karriere im Bereich der Alten Musik. Auf ihrem 1997 erschienenen Debüt-Album bei der Archiv Produktion der Deutschen Grammophon demonstrierte sie mit Arien Johann Sebastian Bachs eindrucksvoll, wie mühelos sie zwischen Alt- und Sopranlage hin- und herwechseln, «Erbarme dich» so eindringlich singen konnte wie «Zerfließe, mein Herze»....
