Realgroteske
Als Violetta sich am Ende ihrer Vergangenheit erinnert, zieht im hörbaren Hintergrund ein Karnevalszug vorbei: «Addio del passato». Es ist eine treffliche Pointe, dass uns Katharina Gault die im Schlussbild von «La traviata» unsichtbare Spaßgesellschaft vorab in den beiden großen Massenszenen der Oper in farbenprächtiger Deutlichkeit vor Augen führt – als entfesselt agierendes Kollektiv weiß gepuderter, clownesk grell geschminkter, bitterböser Witzfiguren. Die Kostümbildnerin hat sie librettokonform in Roben des 19.
Jahrhunderts gesteckt, der Spiel- wie Entstehungszeit des Stücks: In einem Pariser Privatpuff wird in perfektem Einvernehmen mit Verdis aggressiv akzentuierten Sechzehntel-Ketten kopuliert. Dazu hat die Hauptattraktion des Themenbordells bereits während des Vorspiels ihre Kundschaft animiert, vernehmlich aus der Dusche im Off stöhnend. Jetzt geht’s im großen Stil zur Sache. «Adesso siamo riscaldati», heißt es auf der Party, will sagen: Nun sind wir alle auf Betriebstemperatur.
Doch Violetta Valéry will ausbrechen aus der Prostitution, sucht ein bisschen richtiges Leben im falschen, trifft den Romantiker Alfredo, mit dem sie statt der «pompose feste» in ihrem Palais ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause
Karlheinz Stockhausens monumentaler Musiktheaterzyklus «Licht» scheint Konjunktur zu haben: Anfang Juni hatte das Holland Festival mit 14 Stunden immerhin die Hälfte in Szene gesetzt, vier Wochen später realisierte nun Le Balcon zwei Vorstellungen des «Samstag» in Paris, nachdem es im vergangenen Herbst bereits den «Donnerstag» an der Opéra Comique herausgebracht...
Die Bühne stellt das aufgeschnittene Untere eines Schiffsrumpfs dar, oder eine sehr große Halfpipe. Nicht einfach, da hineinzurutschen; noch schwerer, wieder herauszukommen. Von oben, vom Rand aus, ist es ein Abgrund. Mit Michael Thalheimers Konzept für seinen «Macbeth» an der Opera Vlaanderen hat das zu tun, insofern Henrik Ahrs streng geteilter Raum eine rigide...
Als Teenager wollte sie Harfenistin werden. Die Farbenvielfalt der französischen sinfonischen Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte es Sandrine Piau angetan – und sie träumte davon, als Instrumentalistin Teil dieses Klangrausches zu sein. Dann aber entschied sie sich doch für ein Gesangsstudium, wurde als Barock-Interpretin bekannt. Nun aber kommt...
