Leidensgeschichten
Charpentiers «Louise», anno 1900 an der Pariser Opéra-comique uraufgeführt und in den folgenden Jahrzehnten rund tausendmal auf dem Spielplan des Theaters, konnte ihren Erfolg, wie manch andere Werke, nicht auf Dauer konservieren. Selbst in Frankreich hielt sich die Zahl der Neuinszenierungen in Grenzen, allerdings wuchs in der jüngeren Vergangenheit das Interesse an Charpentiers «roman musical».
In Toulouse haben Nicolas Joel und Michel Plasson mit dem Bühnenbildner Nicolas de Lajartre den vom Komponisten intendierten Hymnus auf die Stadt Paris überzeugend mit den realistischen Momenten der Handlung verbunden. In Brüssel und Frankfurt zeigten Sylvain Cambreling und Regisseur Jean-Claude Berutti «Louise» als Spiel der Erinnerung: Der Dichter Julien träumt sich in die Geschichte seiner Liebe zur Näherin Louise zurück. Eine konsequente Psychologisierung gelang John Dew in Dortmund, indem er «Louise» mit Charpentiers «Julien ou La Vie du poète» verband, der Fortsetzung der «Louise»-Geschichte, die sich stark ins Symbolistische und Surreale wendet.
Verglichen mit den genannten Aufführungen brachte die jüngste Pariser Inszenierung von André Engel einen Rückfall in allzu braven ...
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