Starke Musik, schwaches Libretto
Ahnenforscher finden bei den Wagners meist fruchtbaren Boden, nicht nur in der realen Familie. So begegnen wir in Siegfried Wagners «Rainulf und Adelasia» beispielsweise dem Ur-Enkel von Meyerbeers «Robert le Diable».
Die historischen Figuren um Rainulf, Adelasia und Sigilgaita entdeckte Siegfried Wagner in Graf von Schacks Abhandlung «Die Geschichte der Normannen in Sizilien». Die Oper nimmt vereinzelt auch Bezug auf das Leben der Wagners, darunter auf Cosimas Falschaussage über ihre Tochter Isolde. Peter P.
Pachl macht in seinem fundierten Booklet-Text hier den eigentlichen, autobiografischen Anlass der Komposition aus.
Hätten wir nur das von Siegfried selbst stammende Libretto, man geriete umgehend in Versuchung, es dem Altpapier zu übereignen. Die Handlung um den Machtkampf zweier Brüder – angesiedelt im Jahr 1194 in Reggio Calabria – ist reichlich verquast. Wilde Versmaße und gedrechselte Reime sowie einige unbeholfen übernommene Bruchstücke aus den Texten des Vaters stellen zusätzlich unser Durchhaltevermögen auf die Probe.
Doch glücklicherweise ist das Ganze in Musik gesetzt. Und da liegen die Stärken des Werks, dessen Partitur im August 1922 abgeschlossen wurde: eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Figaro› wird von Musik-Kennern am meisten geschätzt. An Gedanken-Reichtum gleicht er dem ‹Idomeneo›, an Originalität weicht er keiner anderen». So wusste es vor mehr als zweihundert Jahren Franz Xaver Niemetschek, Augenzeuge der enthusiastisch aufgenommenen Prager Erstaufführung der Oper. Ganz falsch ist das Urteil des ersten Mozart-Biografen auch heute nicht....
Charpentiers «Louise», anno 1900 an der Pariser Opéra-comique uraufgeführt und in den folgenden Jahrzehnten rund tausendmal auf dem Spielplan des Theaters, konnte ihren Erfolg, wie manch andere Werke, nicht auf Dauer konservieren. Selbst in Frankreich hielt sich die Zahl der Neuinszenierungen in Grenzen, allerdings wuchs in der jüngeren Vergangenheit das Interesse...
Der Boom historischer Opernaufnahmen hat in den letzten Jahren zu einer Inflation auf dem Billigpreissektor geführt. Bedenkenlos und unbesehen (bzw. ungehört) wurde alles auf CD gepresst, was älter als fünfzig Jahre und mithin nicht mehr lizenzpflichtig war. Dabei kamen durchaus einige Fundstücke ans Licht, aber daneben auch viel Ramsch, oft aus dubiosen Quellen...
