So passt's: Sasha Cooke (Marnie) mit Daniel Okulitch (Mark Rutland); Foto: Theater/Richard Hubert Smith
Leicht verdaulich
Nach «Two Boys» und «Dark Sisters» hat sich der Komponist Nico Muhly jetzt «Marnie» vorgenommen – Winston Grahams von Alfred Hitchcock verfilmten Psychothriller. Eine pathologische Lügnerin raubt darin ihre Arbeitgeber aus, um unter neuem Namen anderswo von vorn zu beginnen. Bis einer sie durchschaut, abpasst, in flagranti erwischt und zur Heirat zwingt. Die Ehe gerät entsprechend unterkühlt – anfassen darf Mark Rutland Marnie nicht. Als er ihr Pferd auf sein Anwesen holt, lässt sie sich immerhin auf eine Psychoanalyse ein.
Traumata werden angedeutet: eine sich prostituierende Mutter, ein toter Säugling, ein sich bis in die Gegenwart fortsetzendes Kontinuum männlicher Gewalt. Nach einem für das Tier tödlichen Reitunfall macht Marnie sich davon, doch wieder kommt sie nicht weit: Auf der Beerdigung ihrer Mutter lässt ihr Schwager Terry sie festnehmen. «I am free» singt sie, als die Handschellen zuschnappen: Sie hat sich erkannt, das Versteckspiel ein Ende.
Das Szenario in dieser Koproduktion der Londoner English National Opera und der New Yorker Met setzt auf filmhaft flotte Szenenwechsel. Auf Julian Crouchs Bühne gelingt das mit stelenartig schmalen Kulissen, die sich nicht nur ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wiebke Roloff
Geboren wurde Gottfried von Einem am 24. Januar 1918. Gestorben ist er offenbar nie. Jedenfalls begleitet ihn ein Buch seiner Ehefrau Lotte Ingrisch über den 12. Juli 1996 hinaus auf einer sehr vitalen, von spiritistischem Zinnober nicht freien «Jenseitsreise». Die Rolle eines Menschen, der aus der Zeit gefallen ist, spielte Einem gern. Auf einer Podiumsdiskussion...
Das Markenzeichen der English Touring Opera? Klar, die Herumtreiberei. Aber auch eine verblüffende musikalische Kompetenz, ein betont schlichter Inszenierungsstil – und ein Programm, das so manchem gut finanzierten Theatertanker als Vorbild dienen könnte.
Nominell hat die ETO ihren Sitz in der Hauptstadt, doch eine feste Spielstätte gibt es nicht: Landesweites...
Es sollte ein Festakt zum 500-Jahre-Jubiläum der Reformation in Budapest werden. Es wurde eine (von den um einen Kollektivvertrag streikenden Hausgewerkschaften um ein Haar verhinderte) Premiere der Ungarischen Staatsoper. Dass der Vorhang überhaupt hochging, verdankt sich allein Szilveszter Ókovács, dessen Direktorenvertrag soeben um fünf Jahre verlängert wurde....
