Der Eine
Geboren wurde Gottfried von Einem am 24. Januar 1918. Gestorben ist er offenbar nie. Jedenfalls begleitet ihn ein Buch seiner Ehefrau Lotte Ingrisch über den 12. Juli 1996 hinaus auf einer sehr vitalen, von spiritistischem Zinnober nicht freien «Jenseitsreise». Die Rolle eines Menschen, der aus der Zeit gefallen ist, spielte Einem gern. Auf einer Podiumsdiskussion in seinen letzten Jahren hatte er neben überaus offenen Statements wie immer auch verbale Attacken parat – ein physisch wuchtiger Mann mit dem eindrucksvollen Bart des Propheten.
Als sich niemand aus dem jungen, verschüchterten Publikum aufraffen wollte, die Fragerunde zu eröffnen, polterte er wieder: «Na los, fragen Sie doch was, wenn Sie schon mal so einen Dinosaurier vor sich haben!»
Gottfried von Einem legte Wert darauf, das Wort vom «Componisten» mit «C» zu schreiben. Er stammte aus höchsten Militär- und Adelskreisen. Sein Vater war General, die Mutter Baronin. Wie er selbst genüsslich erzählte, sei er aber bei einer Affaire seiner Mutter mit einem ungarischen Grafen entstanden, der später auf der Jagd von einem angeschossenen Löwen zerrissen wurde. Solche Kategorien liebte er. Mitunter auch die Rolle des Don ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 64
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