Leicht bekömmlich
Taschenuhren, Blechwecker, Kuckucksuhren, Weltzeituhren, alles in goldenes Licht getaucht, dazu dieses Ticken, Klicken, Klingeln. Und mittendrin ein freundlicher Zauberer, Modell Gandalf oder Albus Dumbledore, so hat sich das Michael Ende einst ausgemalt. Am Münchner Gärtnerplatztheater ist Meister Hora ein anderer: eng anliegender roter Asia-Anzug, barfüßig, das Haar zur kunstvoll fallenden Frisur drapiert – ein Tänzer. In diesen Momenten entfernt sich die Inszenierung, die mit nur einem Riesenpendel auskommt, aber auch die Musik von Wilfried Hiller am weitesten vom Original.
Hora ist stumm, seine übermenschliche Stimme – das haben nicht nur Schönberg oder Mendelssohn Bartholdy so praktiziert – kommt vom Chor aus dem Off. Eine eigentümliche Klangmagie senkt sich hernieder. Vor allem aber gönnt sich das Stück damit eine gute Portion von dem Rohstoff, um den sich hier alles dreht: Zeit.
Zum dritten Mal hat sich Hiller dem Roman «Momo» seines 1995 verstorbenen Künstlerfreundes Michael Ende genähert. Zunächst fürs Düsseldorfer Marionettentheater, dann für eine Open-Air-Produktion in Garmisch-Partenkirchen, nun, als «Musiktheater in 18 Bildern», fürs Gärtnerplatztheater. Seit 1985, ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Markus Thiel
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