Leicht bekömmlich
Taschenuhren, Blechwecker, Kuckucksuhren, Weltzeituhren, alles in goldenes Licht getaucht, dazu dieses Ticken, Klicken, Klingeln. Und mittendrin ein freundlicher Zauberer, Modell Gandalf oder Albus Dumbledore, so hat sich das Michael Ende einst ausgemalt. Am Münchner Gärtnerplatztheater ist Meister Hora ein anderer: eng anliegender roter Asia-Anzug, barfüßig, das Haar zur kunstvoll fallenden Frisur drapiert – ein Tänzer. In diesen Momenten entfernt sich die Inszenierung, die mit nur einem Riesenpendel auskommt, aber auch die Musik von Wilfried Hiller am weitesten vom Original.
Hora ist stumm, seine übermenschliche Stimme – das haben nicht nur Schönberg oder Mendelssohn Bartholdy so praktiziert – kommt vom Chor aus dem Off. Eine eigentümliche Klangmagie senkt sich hernieder. Vor allem aber gönnt sich das Stück damit eine gute Portion von dem Rohstoff, um den sich hier alles dreht: Zeit.
Zum dritten Mal hat sich Hiller dem Roman «Momo» seines 1995 verstorbenen Künstlerfreundes Michael Ende genähert. Zunächst fürs Düsseldorfer Marionettentheater, dann für eine Open-Air-Produktion in Garmisch-Partenkirchen, nun, als «Musiktheater in 18 Bildern», fürs Gärtnerplatztheater. Seit 1985, ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Markus Thiel
Die Stücke, die Kurt Weill nach seiner Vertreibung aus Nazi-Deutschland für den Broadway schrieb, wurden, da dem Kultur- und Lebensstil Amerikas verpflichtet, in Europa lange kaum beachtet, tauchen aber inzwischen doch häufiger auf den Spielplänen auf – zuletzt «Love Life» in Freiburg (siehe OW 2/2018). Jetzt zieht Münster mit der 1947 uraufgeführten, nach wie vor...
Und dann ist da plötzlich dieses irre Bild. Eine Hochhausfront, hässlich und glatt, die Fassade mausgrau, wie ungewaschene Wäsche; davor ein von Maschendrahtzaun gesäumter Menschenkäfig zur Rechten sowie ein versiffter Treppenaufgang zur Linken. Mittendrin die Protagonisten der Vergeblichkeit, die – eine optische Täuschung macht’ s möglich – größer scheinen als...
Sie war eine der großen Diven des 20. Jahrhunderts, auf der Opernbühne wie im Film, doch in Deutschland, wo ihre Weltkarriere begann, scheint der Nachruhm verblasst: Jarmila Novotná (1907-1994), Schülerin der nicht weniger bedeutenden Emmy Destinn. Im hohen Alter schrieb sie ihre Lebenserinnerungen auf; kürzlich erschienen diese in englischer Übersetzung und...
