Lehrstück über das Künstlertum
Der «Tannhäuser» als «Problemfall» des Regietheaters? Im vorletzten Heft (OW 3/2007) war davon ausführlich die Rede. Dass es auch anders geht, zeigte jetzt die gelungene Inszenierung des Werks von Uwe Schwarz in Kiel. Dabei hat der Regisseur eigentlich nichts weiter getan, als das Stück ernst zu nehmen, seine Spannungslinien zu verdeutlichen, seine Kontraste zu akzentuieren.
Wagners romantische Oper als ein in Jetztzeitnähe angesiedeltes Lehrstück über das Spannungsverhältnis zwischen Künstler und Gesellschaft – wobei (und das dürfte die wichtigste Erkenntnis dieser Regiearbeit sein) keine der beiden Seiten an den Pranger gestellt wird.
Schwarz und sein Bühnenbildner Norbert Ziermann finden starke, klare, eindringliche Bilder, die häufig Chiffrencharakter haben wie die zunächst dunkel, am Schluss dann – als Erlöste – weiß gekleidete Gruppe der Pilger. Die Auseinandersetzung zwischen Venus und Tannhäuser spielt sich einzig zwischen den beiden ab, was eine starke, auf Ibsen oder Strindberg vorausweisende Psychologisierung dieser emotional aufgeladenen Begegnung in den Blick rückt. Der Sängerkrieg, in dessen Verlauf die Wettstreitenden zitatartig wirkende historische Kostüme (Entwurf: ...
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