Lehrstück über das Künstlertum

Kiel, Wagner: Tannhäuser

Opernwelt - Logo

Der «Tannhäuser» als «Problemfall» des Regietheaters? Im vorletzten Heft (OW 3/2007) war davon ausführlich die Rede. Dass es auch anders geht, zeigte jetzt die gelungene Inszenierung des Werks von Uwe Schwarz in Kiel. Dabei hat der Regisseur eigentlich nichts weiter getan, als das Stück ernst zu nehmen, seine Spannungslinien zu verdeutlichen, seine Kontraste zu akzentuieren.

Wagners romantische Oper als ein in Jetztzeitnähe angesiedeltes Lehrstück über das Spannungsverhältnis zwischen Künstler und Gesellschaft – wobei (und das dürfte die wichtigste Erkenntnis dieser Regiearbeit sein) keine der beiden Seiten an den Pranger gestellt wird.
Schwarz und sein Bühnenbildner Norbert Ziermann finden starke, klare, eindringliche Bilder, die häufig Chiffrencharakter haben wie die zunächst dunkel, am Schluss dann – als Erlöste – weiß gekleidete Gruppe der Pilger. Die Auseinandersetzung zwischen Venus und Tannhäuser spielt sich einzig zwischen den beiden ab, was eine starke, auf Ibsen oder Strindberg vorausweisende Psychologisierung dieser emotional aufgeladenen Begegnung in den Blick rückt. Der Sängerkrieg, in dessen Verlauf die Wettstreitenden zitatartig wirkende historische Kostüme (Entwurf: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Biedere Anzüglichkeit

Ob dieses Stück seit seiner Uraufführung 1995 wirklich bereits fünfzig Neuinszenierungen erlebt hat, wie gesagt wird? Denkbar wäre es schon. «Powder her Face» hat alles, was eine neue Oper braucht, um in die Stadttheater zu drängen. Einen schnellen, nachvollziehbaren Plot, etwas Humor, etwas Tragödie, etwas Wahrheit, brillante Gesangspartien, wenig Irritationen und...

Risiken und Nebenwirkungen

Die Oper birgt mehr Unwägbarkeiten für einen Betrieb als jede andere Kunstform. Die Wahl des Generalmusikdirektors oder der Generalmusikdirektorin ge­hört dabei gewiss zu den am meisten ins Gewicht fallenden Risiken. Das gilt für jedes Haus. Auch Opera Australia weiß davon ein Lied zu singen. Vor vier Jahren gab man voreilig Simone Young den Laufpass und bestimmte...

Magisches Märchenmysterium

Seit der Wiener Uraufführung 1919 ist «Die Frau ohne Schatten» ein Schmerzenskind des Musiktheaters. Von seinen beiden Autoren maßlos selbstvermessen als «gemeinsames Hauptwerk» geplant, musste das Stück fast zwangsläufig an seiner eigenen Hypertrophie, dem ­literarisch überfrachteten Libretto von Hofmannsthal und der sinfonisch-illustrativen Musik von Strauss,...