Biedere Anzüglichkeit
Ob dieses Stück seit seiner Uraufführung 1995 wirklich bereits fünfzig Neuinszenierungen erlebt hat, wie gesagt wird? Denkbar wäre es schon. «Powder her Face» hat alles, was eine neue Oper braucht, um in die Stadttheater zu drängen. Einen schnellen, nachvollziehbaren Plot, etwas Humor, etwas Tragödie, etwas Wahrheit, brillante Gesangspartien, wenig Irritationen und für die Regie die Chance zu ein paar Anzüglichkeiten, inklusive zweier auskomponierter Koitusse.
Verlockt hat das nun auch die Bonner Oper, die sich mit ihrer verdienten Reihe «bonn chance» längst mit dem Rücken an der Wand sieht: Die drastischen Budgetkürzungen, die kamen und noch kommen, drücken in die Defensive. Während man im Großen Haus das altbekannte Kernrepertoire unter Besitzstandswahrung nimmt, darf das wenige, das außerhalb überhaupt noch produziert werden kann, partout nicht mehr floppen. Für eine Reihe, die sich das «experimentelle Musiktheater» auf die Fahnen geschrieben hat, eine denkbar schlechte und die Idee vom «Experiment» schlichtweg sabotierende Lage.
«Powder her Face» also hält die Spielregeln ein, und Bonn gewinnt – am Premierenabend zumindest – den Beifall des Publikums. Worum geht's? Der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bis zur «Walküre» ist Graham Vicks «Ring» in Lissabon gediehen, immerhin. Ob «Siegfried» und «Götterdämmerung» folgen werden, steht am Teatro Nacional de São Carlos in den Sternen. Es ist eben nicht leicht, ein auf fünf Jahre angelegtes Projekt zu realisieren, wenn die öffentliche Hand den Etat des Hauses erst kurz vor Beginn einer neuen Spielzeit genehmigt. Ein...
«Ein Werk ohne Damen», sagt die Dame. Doch bei «Billy Budd», der Männeroper, drehte sich alles um eine Frau. Und um die Frage: Stehen die Hamburger nach dem Reinfall der «Frau ohne Schatten» zu ihrer Pult-Primadonna Simone Young – oder nicht?!
Nun, sie blieben sitzen. Am Ende sogar milder Wind wiedererwachender Zuneigung. Wie viel dunkle Farben, Wärme und Weite...
2005 wurde Nina Stemme in der «Opernwelt» zur «Sängerin des Jahres» gewählt. Im selben Jahr war sie Bayreuths vielbewunderte Isolde in Christof Marthalers wenig bewunderter Inszenierung. Die schwedische Sopranistin hat es klug vermieden, sich danach als Wagner-Stimme abstempeln zu lassen. Statt landauf, landab als Isolde oder Sieglinde zu gastieren oder gar, was...
