Im ewigen Eis
Der erste «Walküre»-Akt kommt einem «Kommando zurück!» gleich. Richard Wagners liebende Geschwister hatte «Rheingold»-Regisseur David Hermann in seinem Blick voraus verzückt übereinander herfallen lassen (siehe OW 9-10/2016). Nun strafte «Walküren»-Regisseur Yuval Sharon die Zukunftsvision seines Kollegen Lügen. Zurückhaltender ward die Liebesszene selten dargeboten. Diskretion wird groß geschrieben.
Im Karlsruher «Ring» der vier Regisseure lässt der vielgepriesene Kalifornier es häufig mit der Andeutung genug sein, Requisiten gibt’s auch so gut wie nicht – schon gar kein Trinkhorn für den halb verdursteten Siegmund. Sebastian Hannaks Bühne will denn auch von Hundings Hütte nichts wissen. Er installiert parallel zur Rampe eine Art Flur, hinter dessen Wand die Esche ein Schattendasein fristet, und ihre Schatten sehen auch die getrennt postierten Liebenden einander zustreben. Die Wand hat wiederum Türen und Luken. Dort erscheinen mal der Solocellist, mal drei Holzbläser des Orchesters bei ihrem kammermusikalischen Tun. Auch der Weltenwanderer Wotan taucht hier auf, als Sieglinde ihrem Geliebten schildert, wie der Gott sein Schwert «in der Esche Stamm» trieb. Und der ...
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Er kam, dirigierte – und siegte. 22 Jahre jung war der Sohn eines Schusters aus dem nordfranzösischen Waziers, als er 1946 sein Debüt an der Opéra de Marseille gab, mit Lalos «Le Roi d’Ys». Ein König wurde Georges Prêtre dann selbst, doch nicht als Komponist, wie ursprünglich erträumt, sondern als Dirigent. Von Marseille führte ihn der Weg an die Pariser...
Luxemburg – das lag im Jahr 1909 für die Schöpfer des «Grafen von Luxemburg» mindestens so weit entfernt wie Pontevedro in Franz Lehárs berühmtestem Vorgängerwerk, der «Lustigen Witwe». Aus den politisch ohnmächtigen Randbezirken der Großreiche kamen damals noch nicht die ausgebufften Trickser der Großfinanz, sondern verschwendungssüchtige Aristokraten, die...
Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt und Professor an der Folkwang Hochschule Essen, ist einer der klügsten, umtriebigsten Dramaturgen der Republik und als Essayist gewiss der produktivste und inspirierendste. 2009 hat er unter dem hintersinnigen Titel «Ohrentheater» im Frankfurter Axel Dielmann-Verlag eine 800-Seiten-Sammlung seiner (zuvor meist in...
