Durchlüftet, ruhiggestellt

Glinkas «Ruslan und Ludmila» aus Moskau und ein Rachmaninow-Tripel aus Brüssel

Puschkins 1820 veröffentlichte Verserzählung vom wackeren Rittersmann, der auf der Suche nach seiner geraubten Braut allerlei Prüfungen besteht, hat einen festen Platz im russischen Literaturkanon. Bis heute ist das tragikomische, an ironischen Obertönen reiche Poem in Russland populär.

Auch weil Michail Glinka den Stoff für sein zweites Bühnenopus verarbeitete: «Ruslan und Ludmila», 1842 in Sankt Petersburg uraufgeführt, sollte schon bald zum klangprächtigen Modell für die Entwicklung einer eigenständigen Opernschule verklärt und fortan als vorbildhaftes Erbstück gepflegt werden. Dass die Wahl auf eben dieses Werk fiel, als im Herbst 2011 das Moskauer Bolschoi Theater nach jahrelanger Luxussanierung wiedereröffnet wurde, passte also ins nationalkulturelle Bild. Erstaunen löste eher die Entscheidung aus, für die szenische Umsetzung Dmitri Tcherniakov zu engagieren – einen Regisseur und Bühnenbildner, der bis dato weder als ideologisch zuverlässiger Staatskünstler noch als netter Märchenonkel aufgefallen war.

Tcherniakov zieht die fantastische Geschichte (in der Bearbeitung Glinkas und Vladimir Shirkovs) wie einen Episodenfilm auf. Das Hochzeitsbild des ersten Akts ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Leben in Wonderland

Gemälde des Diego Velazquez im Wiener Kunsthistorischen Museum zeigen Habsburgs spanische Infanten. Prinzessinen, Prinzen in den gleichen Gewändern und Posen wie ihre Eltern, eben nur ein paar Zentimeter kürzer. Kleine Erwachsene. An sie mussten wir denken, als wir Alma Deutscher zum ersten Mal im Netz sahen. Nun hat die Elfjährige, Tochter des renommierten...

Schirmherr Monteverdi

Lugo di Romagna – 32 000 Einwohner, zwischen Bologna und Ravenna gelegen – besitzt seit 1761 ein Juwel der italienischen Opernkultur: das kleine Teatro Rossini (450 Plätze). Eine gefühlte Ewigkeit lang ruhte der Betrieb, erst vor drei Jahrzehnten wurde es nach einer denkmalgerechten Sanierung wiedereröffnet: als Sitz des Lugo Opera Festivals. Gezeigt wurden...

In alter Frische

Der enthusiastische Dilettant war seit je ein geheimer König im Musik- und Theaterleben des Vereinigten Königreichs. Deswegen scheint es nicht so unwahrscheinlich, dass Henry Purcells «Dido and Aeneas» zunächst als Schulaufführung präsentiert wurde, und zwar 1689 in Josias Priests Mädchenpensionat in Chelsea. Priest war freilich zugleich Ballettmeister am...