Tango mortale

Piazzolla: María de Buenos Aires am Musiktheater an der Wien

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Das ganze Leben in einem Pappkarton? Manchmal passiert es. María, das traurige Tango-Kind aus den Straßen von Buenos Aires erlebt nach ihrem Tod ein solches Schicksal. Sie wird zur Akte. Aber damit nicht genug. Sie muss ihr Leben, das alles andere war als ein Zuckerschlecken, noch einmal durchleiden, 90 Minuten lang: die von Armut beschwerte Kindheit, der kurze Traum der jungen Frau, eine berühmte Tänzerin zu werden, schließlich, als Gegenbild, die Realität, die diesen Traum zerstört, weil die Bedingungen so ganz anders sind, als Maria sie sich vorgestellt hat.

Wäre da nicht die Musik, man könnte schier verzweifeln.

Geschrieben hat sie Astor Piazzolla, der Erfinder des Tango nuevo; ein Komponist, der die Strömungen (und Formen) klassischer Musik mit dem ureigensten Sound seiner Heimat verknüpfte, ohne auch nur in einem Takt zu verhehlen, woher er kam, welche Klänge er liebte, was sein genuines Ausdrucksmittel war. Und mag Piazzollas Tango Operita «María de Buenos Aires» auf ein bildmächtiges Libretto von Horacio Ferrer deshalb in weiten Teilen auch anmuten wie ein (klingendes) elegisch-melancholisches Klagelied, so ist doch der Reiz dieser Musik ungebrochen, auch mehr als 55 Jahre ...

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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Jürgen Otten

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