Lasst euch nicht verführen

Ein Buch und ein Berliner Symposion wecken Zweifel am Felsenstein-Bild der Ideologen

Opernwelt - Logo

Andreas Homokis Komische Oper Berlin gibt sich konsequent realistisch: Eugen Onegin als Jungschnösel der Generation Golf, Mozarts Serail als Metropolen-Bordell, Mahagonny als Ballermann-Disco, Sarastros Feuer-/Wasserprobe als Jungle Camp... In seinen Grundsätzen, reale Menschen und Erfahrungen in den Mittelpunkt zu stellen, beruft sich das seit drei Jahren neu ausgerichtete Haus also mit Recht auf seinen Gründer Walter Felsenstein.

Worin aber besteht – jenseits von Schlagworten – diese Tradition, fragte sich ein zweitägiges Symposion, zu dem Clemens Risi und Robert Sollich (Katha­rina Wagners Dramaturg) vom Theaterwissenschaftlichen Institut der Freien Universität Berlin auf die Probebühne der Komischen Oper geladen hatten. Intendant Homoki verabschiedete sich nach einem kurzen Statement, was er unter gutem Musiktheater verstehe (glaubwürdige Figuren und Handlungen; professionelles Handwerk; konzeptionelle Arbeit), zu einem Einkaufsbummel mit seinem Sohn und ließ die Kolloquiums-Teilnehmer, darunter seinen Vor-Vorgänger Joachim Herz, unter sich.
Ganz so unwichtig ist die Fragestellung allerdings nicht. In Aksinia Raphaels vor einem Jahr herausgegebenem Bildband «Werkstatt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2007
Rubrik: Magazin, Seite 26
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Eines der beiden Porträts in diesem Heft ist Siegfried Kurz gewidmet. Siegfried – wer? Aus dem öffentlichen Bewusstsein scheint der sächsische Dirigent fast verschwunden. Wenn wir für ihn mehrere Seiten ­reservieren, hat das zwei Gründe. Erstens hat Siegfried Kurz zentrale Opernaufführungen im Osten Deutschlands geleitet. Er führte «Moses und Aron» in Dresden zu...

Wettstreit bis zum Ende

In seiner fünfunddreißigsten Auflage enthielt der Bundeswettbewerb Gesang Berlin eine nicht unwesentliche Neuerung. Nach bundesweiten Vorausscheidungen und dem Hauptwettbewerb in Berlin wurden die Preisträger erst im Finalkonzert in der Komischen Oper ausgelobt, das von dem ehemaligen Wagner-­Tenor Siegfried Jerusalem moderiert wurde. Für das Publikum des Konzerts...

Graue Mäuse gibt es ja schon genug

Die Nachrichten auf einem amerikanischen Internet-Musikforum überschlagen sich: Eine mittelschwere Sensation muss sich ereignet haben. Eine deutsche Sängerin war in der Carnegie Hall mit Andrea Marcons Vivaldi-Projekt «An­dromeda liberata» zu Gast – und sie hat reihenweise Opernfans den Kopf verdreht. Mit dem Namen konnten die meisten zuvor nichts anfangen: Simone...