Lasst die Puppen tanzen
Was ist sie doch für ein elegantes Räderwerk, diese Olympia, ein Spielzeug, das selbst spielen will. Mit seinen langen Fangarmen greift es nach dem Künstler und schwingt ihn rund um die eigene Achse. Es beglückt ihn wie die Blumen, die Vögel, die Herzen, die aus den Brüsten und aus tiefer gelegenen Körperregionen schießen im zweiten Akt von «Les contes d’Hoffmann» an der Oper Graz. Was Hoffmann mutmaßlich in seiner Virtual-Reality-Brille sieht, sehen dank dem Künstlerkollektiv «1927» auch wir.
Tetiana Zhuravel, die bezaubernde, brillant intonationssichere Sängerin der Olympia, steckt nur das Perückenköpflein durch den Prospekt, auf dem sich übersprudelnde Animationswelten austoben. Ihre Ästhetik kennt man spätestens seit Barrie Koskys weitgereister Inszenierung der «Zauberflöte» für die Komische Oper in Berlin. Dass sie nun in der Steiermark wiederzusehen sind, ist kein Zufall. Ulrich Lenz, der neue Intendant, war bis zum Sommer Koskys Chefdramaturg.
In Graz übernimmt er ein Haus, das Nora Schmid in den vergangenen acht Jahren hervorragend aufgestellt hat. Die Intendantin, die ab dem kommenden Jahr die Dresdner Semperoper übernimmt, sorgte mit einem guten Ensemble, interessanten ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 31
von Michael Stallknecht
Als Jean-Baptiste Lully 1687 starb, stand die Tragédie en musique vor einem epochalen Umbruch. Zwei Musiker schlugen neue Wege ein – André Campra und Henry Desmarest. Campra trug den Sieg davon, weil Desmarest, der begabteste Komponist in Lullys Nachfolge, 1699 aus Frankreich fliehen musste. Es dauerte mehr als drei Jahrhunderte, bis mit der 1694 uraufgeführten...
Das hohe Lob stammt aus berufenem Munde: «Sie gehört zum Stamm der Pioniere, der Wegbereiter. Sie ist uns vorausgegangen, hat Bäume gefällt, Felsen gesprengt und Brücken gebaut, um den Weg freizumachen für die nach ihr Kommenden.» Es war Virginia Woolf, die diese Worte wählte, um eine der wohl erstaunlichsten Komponistinnen aller Zeiten zu beschreiben – Ethel...
Wenige Regisseure haben Wagners Tetralogie gleich zweimal inszeniert. Götz Friedrich beispielsweise legte einen «Ring» für Covent Garden und einen weiteren für die Deutsche Oper Berlin vor. Am Royal Opera House startete nun mit dem «Rheingold» die neue Lesart von Barrie Kosky, der den «Ring» ab 2009 schon in Hannover inszenierung hatte.
Noch vor Beginn des...
