Lasst die Puppen tanzen
Was ist sie doch für ein elegantes Räderwerk, diese Olympia, ein Spielzeug, das selbst spielen will. Mit seinen langen Fangarmen greift es nach dem Künstler und schwingt ihn rund um die eigene Achse. Es beglückt ihn wie die Blumen, die Vögel, die Herzen, die aus den Brüsten und aus tiefer gelegenen Körperregionen schießen im zweiten Akt von «Les contes d’Hoffmann» an der Oper Graz. Was Hoffmann mutmaßlich in seiner Virtual-Reality-Brille sieht, sehen dank dem Künstlerkollektiv «1927» auch wir.
Tetiana Zhuravel, die bezaubernde, brillant intonationssichere Sängerin der Olympia, steckt nur das Perückenköpflein durch den Prospekt, auf dem sich übersprudelnde Animationswelten austoben. Ihre Ästhetik kennt man spätestens seit Barrie Koskys weitgereister Inszenierung der «Zauberflöte» für die Komische Oper in Berlin. Dass sie nun in der Steiermark wiederzusehen sind, ist kein Zufall. Ulrich Lenz, der neue Intendant, war bis zum Sommer Koskys Chefdramaturg.
In Graz übernimmt er ein Haus, das Nora Schmid in den vergangenen acht Jahren hervorragend aufgestellt hat. Die Intendantin, die ab dem kommenden Jahr die Dresdner Semperoper übernimmt, sorgte mit einem guten Ensemble, interessanten ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 31
von Michael Stallknecht
Im Oktober 1904 unterzeichnete General Lothar von Trotha in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika einen Vernichtungsbefehl gegen das Volk der Herero. Er ließ sie in die Wüste treiben, wo viele verdursteten. Wer in die alte Heimat zurückkehrte, wurde von den kaiserlichen Truppen erschossen oder in Konzentrationslagern interniert. Mehr als 100 Jahre später leben im...
Madamina, il catalogo è questo»: In Simon Steen-Andersens neuem Musiktheater «Don Giovanni aux Enfers» wird Leporellos berühmte Arie nicht aufgeführt. Stattdessen erleben wir einen Katalog von derart vielen Opernzitaten, dass dieses Werk mit dem Untertitel «Aller-retour aux enfers lyriques en un acte» (Hin und zurück in die lyrische Hölle in einem Akt) beinahe wie...
Das hohe Lob stammt aus berufenem Munde: «Sie gehört zum Stamm der Pioniere, der Wegbereiter. Sie ist uns vorausgegangen, hat Bäume gefällt, Felsen gesprengt und Brücken gebaut, um den Weg freizumachen für die nach ihr Kommenden.» Es war Virginia Woolf, die diese Worte wählte, um eine der wohl erstaunlichsten Komponistinnen aller Zeiten zu beschreiben – Ethel...
