Lasst die Puppen tanzen
Was ist sie doch für ein elegantes Räderwerk, diese Olympia, ein Spielzeug, das selbst spielen will. Mit seinen langen Fangarmen greift es nach dem Künstler und schwingt ihn rund um die eigene Achse. Es beglückt ihn wie die Blumen, die Vögel, die Herzen, die aus den Brüsten und aus tiefer gelegenen Körperregionen schießen im zweiten Akt von «Les contes d’Hoffmann» an der Oper Graz. Was Hoffmann mutmaßlich in seiner Virtual-Reality-Brille sieht, sehen dank dem Künstlerkollektiv «1927» auch wir.
Tetiana Zhuravel, die bezaubernde, brillant intonationssichere Sängerin der Olympia, steckt nur das Perückenköpflein durch den Prospekt, auf dem sich übersprudelnde Animationswelten austoben. Ihre Ästhetik kennt man spätestens seit Barrie Koskys weitgereister Inszenierung der «Zauberflöte» für die Komische Oper in Berlin. Dass sie nun in der Steiermark wiederzusehen sind, ist kein Zufall. Ulrich Lenz, der neue Intendant, war bis zum Sommer Koskys Chefdramaturg.
In Graz übernimmt er ein Haus, das Nora Schmid in den vergangenen acht Jahren hervorragend aufgestellt hat. Die Intendantin, die ab dem kommenden Jahr die Dresdner Semperoper übernimmt, sorgte mit einem guten Ensemble, interessanten ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 31
von Michael Stallknecht
Es ist ein interessantes Experiment, das jüngst an der Opéra de Rouen Normandie angestellt wurde. In Zusammenarbeit mit dem Palazzetto Bru Zane, dem in Venedig beheimateten Zentrum für französische Musik der Romantik, brachte das Haus nach der Urfassung von Offenbachs «La Vie Parisiènne» im Jahr 2021 nun die Ur-«Carmen» heraus. Nicht in musikalischer Hinsicht:...
Untot, tot oder doch nur totgesagt? Lange hat sich die Operette in den Spielplänen wacker gehalten, brachte Quote und lockte ein Publikum in das Theater, dem Oper zu schwer und das zeitgenössische Musical zu modern war – weil sie ein Bedürfnis nach Eskapismus stillte. Sie war Prototyp einer frühen Popkultur, sprach sogar lange eine jüngere Generation an. Doch die...
Gott ist allgegenwärtig. Und allmächtig. Egal, wohin man blickt in dieser «romantischen» Oper, in welche Gegend, in welchen Winkel, in welches Gesicht, seine Strahlkraft scheint unantastbar, unermesslich groß. Geht es vor Gericht oder um höhere Gerechtigkeit, wird allein er angerufen, fleht einer der Anwesenden um Gnade, richtet sich seine Hoffnung auf ihn, und...
