Doch in der Ferne ein Licht
Gott ist allgegenwärtig. Und allmächtig. Egal, wohin man blickt in dieser «romantischen» Oper, in welche Gegend, in welchen Winkel, in welches Gesicht, seine Strahlkraft scheint unantastbar, unermesslich groß. Geht es vor Gericht oder um höhere Gerechtigkeit, wird allein er angerufen, fleht einer der Anwesenden um Gnade, richtet sich seine Hoffnung auf ihn, und selbst in den schlimmsten Momenten versichert man sich seiner Güte. Da ist nur ein kleines, aber nicht ganz unwichtiges Problem: Gott zeigt sich nicht.
Er ist abwesend. Und vielleicht ist er sogar tot.
Man kommt kaum umhin, an Nietzsches weit mehr verzweifeltes als genussreiches Verdikt zu denken, wenn man sich Kirill Serebrennikovs «Lohengrin»-Lesart in der Bastille zu Gemüte führt – und das beinahe buchstäblich. Denn unabhängig von der handwerklich hohen Qualität dieser Neuproduktion (es ist Serebrennikovs Debüt an der Opéra national de Paris) schleicht sich von Beginn an ein enormes Unbehagen ins Innere und übt dieses Unbehagen über fast viereinhalb Stunden zugleich einen unglaublichen Sog aus. Dieser «Lohengrin», der musikalisch zum Feinsten gehört, was die jüngere Rezeptionsgeschichte aufzuweisen hat, ist szenisch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Die Urfassung von «Les Troyens» ist in den letzten Jahren mehrfach gegeben worden. Das Orchestre Révolutionnaire et Romantique, das mit einer halbszenischen, auf Requisiten weitgehend verzichtenden Aufführung in fünf Städten gastierte, darf zwar eine gewisse Ausnahmestellung beanspruchen, da die von ihm verwendeten Originalinstrumente ungewöhn -liche Klangeffekte...
JUBILARE
Judith Forst wurde am 7. November 1943 im kanadischen New Westminster geboren. An der University of British Columbia studierte sie Gesang und feierte bereits 1968 ihr Debüt an der Metropolitan Opera als Page in Verdis «Rigoletto». Weitere Rollen an der «Met» waren unter anderem Tebaldo in Verdis «Don Carlo», Stéphano in Gounods «Roméo et Juliette»,...
Aura aus Amsterdam
Eigentlich wollte sie Schauspielerin werden, später Theaterautorin. Doch spätestens nach der Begegnung mit dem großen Willy Decker am Ende ihres Studiums stand für Jetske Mijnssen fest: Es soll und muss die Regie sein. Eine goldrichtige Entscheidung, denn mit ihren unspektakulären und psychologisch feinsinnigen Arbeiten hat die niederländische...
