In der schönen blauen Donaumonarchie
Untot, tot oder doch nur totgesagt? Lange hat sich die Operette in den Spielplänen wacker gehalten, brachte Quote und lockte ein Publikum in das Theater, dem Oper zu schwer und das zeitgenössische Musical zu modern war – weil sie ein Bedürfnis nach Eskapismus stillte. Sie war Prototyp einer frühen Popkultur, sprach sogar lange eine jüngere Generation an. Doch die Popkultur der 1960er-Jahre, die damit verbundene gesellschaftliche Revolution und die sich neu formende Jugendkultur setzten dem ein Ende.
Welcher Jugendliche geht heute noch in eine Operettenvorstellung?
Vielleicht die falsche Frage. Ihr vorausgehen muss die nach den Aufführungen. Wo wird noch Operette gespielt? Die jüngste Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins weist für die noch von der Pandemie betroffene Spielzeit 2021/22 unter den 25 meistgespielten Musiktheaterwerken an deutschen Theatern nur drei Operetten aus: «Die lustige Witwe» (Platz 10), «Die Fledermaus» (12) und «Im Weißen Rössl» (24). Unbekannte Operetten auf der Bühne wiederzubeleben ist ein Wagnis, gleich in mehrfacher Hinsicht. Wer schaut sich an, was er nicht kennt? Und dann: Wie passen die Geschichten von den «süßen Mädels», den «feschen Leutnants» ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Alexander Dick
Die Causa ist weithin bekannt und in aller Ausführlichkeit durchgekaut worden. Richard Wagner, der politisch verfolgte «Revolutionär» und visionäre Tonsetzer, flieht 1849 ins Schweizer Exil nach Zürich, trifft dort (als deren Klavierlehrer) in der jungen und schönen Mathilde Wesendonck die erste wahre Liebe seines Lebens, verstrickt sich, während er Teile seiner...
Fangen wir, aus gegebenem Anlass, mit der Musik an. Zweiter Akt, Finale. Das Dunkel scheint sich zu lichten, wo vorher sehr viel f-Moll war, dominiert nun pastoral-pfiffiges F-Dur. Ein Tanz im Viervierteltakt, übermütig, zugleich hintergründig – Giuseppe Verdi wusste sehr wohl, wie man Klänge subversiv einwirken lässt. Und so ist es auch in diesem Allegro brillante...
Christian Hemke, Leiter des Weimarer Kunstfests, legt den Finger gern genau da in die Weltgeistwunde, wo es nach wie vor (oder jetzt erst recht) wehtut: beispielsweise in die der regionalen kulturellen Versteppung mitsamt Rechtsruck – oder in die eines nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine pauschal verurteilenden Anti-Amerikanismus, der eine...
