In der schönen blauen Donaumonarchie

Die Bühne Baden und das Lehár Festival Bad Ischl reanimieren mit «Frühjahrsparade» und «Schön ist die Welt» die Operette

Opernwelt - Logo

Untot, tot oder doch nur totgesagt? Lange hat sich die Operette in den Spielplänen wacker gehalten, brachte Quote und lockte ein Publikum in das Theater, dem Oper zu schwer und das zeitgenössische Musical zu modern war – weil sie ein Bedürfnis nach Eskapismus stillte. Sie war Prototyp einer frühen Popkultur, sprach sogar lange eine jüngere Generation an. Doch die Popkultur der 1960er-Jahre, die damit verbundene gesellschaftliche Revolution und die sich neu formende Jugendkultur setzten dem ein Ende.

Welcher Jugendliche geht heute noch in eine Operettenvorstellung?

Vielleicht die falsche Frage. Ihr vorausgehen muss die nach den Aufführungen. Wo wird noch Operette gespielt? Die jüngste Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins weist für die noch von der Pandemie betroffene Spielzeit 2021/22 unter den 25 meistgespielten Musiktheaterwerken an deutschen Theatern nur drei Operetten aus: «Die lustige Witwe» (Platz 10), «Die Fledermaus» (12) und «Im Weißen Rössl» (24). Unbekannte Operetten auf der Bühne wiederzubeleben ist ein Wagnis, gleich in mehrfacher Hinsicht. Wer schaut sich an, was er nicht kennt? Und dann: Wie passen die Geschichten von den «süßen Mädels», den «feschen Leutnants» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2023
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Kabale und Triebe

Einer der besterhaltenen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts, prachtverliebt und doch geschmackvoll, riesig für seine Zeit und zugleich intim, leuchtend in Blau und Gold und dennoch aus Holz, Zeichen höfischer Eitelkeiten wie des Bewusstseins für Vergänglichkeit – das ist das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Es war der 1748 von Markgräfin Wilhelmine eröffnete...

Im philosophischen Nichts

Christian Hemke, Leiter des Weimarer Kunstfests, legt den Finger gern genau da in die Weltgeistwunde, wo es nach wie vor (oder jetzt erst recht) wehtut: beispielsweise in die der regionalen kulturellen Versteppung mitsamt Rechtsruck – oder in die eines nicht erst seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine pauschal verurteilenden Anti-Amerikanismus, der eine...

Edle Anmut, leise Größe

Der Mann war ein Phänomen. Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi, 1698 in Rom als Sohn eines Gemüsehändlers geboren, gelangte unter seinem Künstlernamen Metastasio europaweit zu ewigem Ruhm. Kaum ein Komponist seiner Zeit kam an den Libretti dieses literarisch so ungemein begabten Dichters vorbei. Der Grund lag auf der Hand: Metastasio besaß die singuläre...