«Lass mir doch meinen Leichtsinn nur»
Irgendwie sei die Story dann doch ein bisschen dünn, hat jemand handschriftlich im Gästebuch vermerkt, das im Foyer des Osnabrücker Theaters ausliegt. Aber die Aufführung, na ja, die reiße das Ganze schon raus. Das trifft den Kern des Problems – und zielt ebenso haarscharf an ihm vorbei. Operette und tiefschürfend? Man spielte «ein Werk der leichtgeschürzten Muse», heißt es in Thomas Manns «Felix Krull». Eine Haltung, die seither zur künstlerischen Disqualifikation der Gattung gereichte.
Zumal bei Franz Lehár, dessen Spätwerk, die sogenannte «tragische Operette», ob ihrer Hinwendung zur Oper von nahezu keinem selbsternannten Hüter des guten Geschmacks verschont blieb.
Doch derlei Kritik ging stets allzu leicht über die Musik hinweg oder stellte diese ebenso unter den Generalverdacht der Minderwertigkeit. Wer sagt, die Aufführung kaschiere Mängel des Librettos, der meint natürlich auch die Musik. Doch offensichtlich hat eine jüngere Generation von Dirigenten und Regisseuren begonnen, Karl Kraus und Adorno im Fall Lehár zu misstrauen. Es ist neues Interesse zu spüren, das selbst zum traditionell operettenintensiveren Jahresende an den deutschsprachigen Theatern lange nicht ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Alexander Dick
Er kann es. Auf der Bühne ist Mariusz Kwiecien ganz bei sich. Als ob das Spiel, die Entäußerung coram publico eine Kraft sei, die den Körper inspiriert, die Stimme elektrisiert und unter Spannung hält. Ihr den letzten Kick gibt, den siebten Sinn für die innere Wahrheit einer Rolle oder Figur. Egal ob Kwiecien (immer wieder) das Geheimnis von Mozarts dissoluto...
Impressum
53. Jahrgang Nr. 1
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752239
Redaktion Opernwelt
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 06.12. 2011.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
Auf den ersten Blick ist Richard Strauss’ «Liebe der Danae» (1938-40) nicht zu retten: ein überladenes Kompilat verbrauchter musikalisch-dramatischer Formeln, in dem der greise Komponist sein eigenes Œuvre von «Salome» bis «Arabella» plagiiert – sentimental in der Überzuckerung seines eigenen Weltabschieds als Gott Jupiter und obendrein belastet durch ein...
